... für Hundetrainer

 

 

 

Diegos Tagebuch . . . Mein neues Leben jenseits des Zaunes

24.08.14

Der erste Eindruck - so habe ich Dich kennengelernt

Mein Name ist Diego. Ich wohne hier im Tierheim in Lippstadt. Ich bin ein Mix aus einem Berger de Picardie und einem Deutschen Schäferhund. Habe deshalb auch keinen "Baum-Stamm" oder wie das auch immer heißen mag. Manche nennen mich "Catweazle", wie einer aus dem Fernsehen, weil ich so lange Zotteln habe. Aber ganz so hässlich finde ich mich gar nicht. Heute habe ich übrigens Geburtstag und bin schon 5 Jahre alt geworden. Haben die mich hier alle vergessen oder haben die alle nur so viel zu tun, dass sie für Geburtstage keine Zeit haben? Schade, aber vielleicht kommt ja der eine oder andere noch zu mir. Aus urheberrechtlichen Gründen kein Bild, sondern nur ein Link zu einem Bild von Catweazle. 

 

  


25.08.14

Noch nicht belegt

Über den Flurfunk des Tierheimes habe ich gehört, dass ich morgen umziehen werde. Umziehen in ein Haus mit Garten. Auch hier in Lippstadt. Dort soll ich einen Schlafplatz bekommen, der total überdacht ist und sogar voll krass beheizt sein soll. Das wäre ein schönes, nachträgliches Geburtstagsgeschenk. Aber was passiert hier mit meinen Freunden, den anderen Fellnasen hier im Tierheim und den Mitarbeitern, die immer für Sauberkeit in meinem Zwinger gesorgt haben, mir immer pünktlich mein Fressen serviert haben, und mit mir - wenn es die Zeit erlaubt hat - ein wenig gespielt haben? Und nicht zu vergessen die Gassi Gänger, die viel Geduld gehabt haben und mit mir in den letzten zwanzig Monaten so manchen Kilometer zurückgelegt haben. Es war nämlich nicht immer ganz einfach, mit mir umzugehen. Ob ich die wohl alle mitnehmen kann? Ach ja, mein dicker Ball, der schon seine Farbe verloren hat und schon ganz schön mitgenommen aussieht von meiner Kauerei. Der ist so was von ausgelutscht. Ich habe hier nicht viel, aber der gehört mir! Egal, wo ich hinkomme, ich hoffe nur, dass ich dort tagsüber und nachts entspannt schlafen kann, ohne dass mich die Bellerei meiner anderen Freunde aufweckt. Wenn ich mir das so überlege, hat eigentlich fast immer irgendeiner meiner Freunde tagsüber gebellt. Richtig zur Ruhe gekommen bin ich hier nie. Es war aber trotzdem mein Zuhause. Vielleicht ist mein neues Zuhause genau so schön oder noch viel, viel schöner. Wenn ehemalige Tierheiminsassen mich an den offenen Sonntagen besucht haben, haben sie mir erzählt, dass sie jetzt ein festes Frauchen und/oder Herrchen haben, die sich ständig um sie kümmern und um ihr Wohl besorgt sind. Die stehen morgens mit ihnen auf, kriegen leckeres Fressen von ihnen, gehen mit ihnen spazieren, beschützen sie vor anderen Menschen und aggressiven Hunden und gehen sogar regelmäßig zu so einem Mann oder einer Frau mit einem weißen Kittel. Der tut denen zwar meistens ein bisschen weh, aber sie wissen genau, dass ihnen im Beisein von Frauchen oder Herrchen nichts passieren kann. Und die meisten Frauchen und Herrchen denken sogar daran, wenn deren Hunde Geburtstag haben. Dann kriegen manche sogar einen ganz großen Knochen, den sie mit niemandem teilen müssen. So jetzt leg ich mich das letzte Mal in mein Körbchen und träume ein bisschen vor mich hin, weil schlafen kann ich heute nacht sowieso nicht, ich bin viel zu aufgeregt und freue mich schon auf morgen!

 

26.08.14

Darf ich vorstellen: Jost und Diego Wunner

Ich glaube es ist soweit. Jetzt haben die mich vorne am Eingang in einen Polizei-Zwinger verlegt. Soll das mein neues Zuhause sein? Das darf doch nicht wahr sein! Schade, ich habe mich schon so auf ein schönes neues Zuhause gefreut. Doch halt, die Stimme, die kenne ich doch. Das ist die Stimme von dem, der mich von Anfang an gelegentlich durchgeknetet und mich auf ein Leben nach dem Tierheim vorbereitet hat. Nee, der hat mich nicht gesehen und geht vorbei. Doch, jetzt kommt er auf mich zu. Will der sich wegen meines Umzugs von mir verabschieden? Jetzt legt er mir einen Maulkorb um und die Leine an und geht mit mir zu einem Auto auf dem Parkplatz. So, wie der sich heute benimmt und mit mir spricht, glaube ich, dass ich zu dem umziehe. Das wäre ja toll. Der kennt mich schon ganz lange, weiß genau wie er mit mir umzugehen hat. Und konsequent ist der, das nervt zwar manchmal, aber irgendwie gibt mir sein Verhalten Sicherheit. Auf der Fahrt habe ich mich ganz brav hinten auf die Rückbank neben mein neues Herrchen gesetzt und mich bei ihm eingeschleimt. Aber so was von! Dass der mich auch bloß behält und nicht wieder ins Tierheim zurück bringt. Als wir aus dem Wagen ausgestiegen sind, ist mein neues Herrchen - ich glaube den nennen sie alle Jost - mit mir erst einmal bei strömendem Regen durch die Felder im Süden Lippstadts gegangen. Auch hier habe ich wieder auf meine Schleimdrüse gedrückt und bin vorbildlich an der Leine neben ihm gegangen. Zuhause angekommen habe ich den Rest der Familie kennen gelernt. Auch hier war meine Schleimspur kaum zu übersehen. Und das hat so gut funktioniert, dass sie mir gleich den blöden Maulkorb abgenommen haben. Dann das schärfste: Herrchen hat mir dann meinen Schlafplatz gezeigt.

 

Mein neuer Schlafplatz. Total überdacht und voll krass beheizt

Und ich glaube es kaum, total überdacht und voll krass beheizt. Aber er soll in den nächsten Tagen mit einem noch besseren Bett ausgestattet werden, das Herrchen in irgendeinem Netz bestellt hat, das soll viele kleine Kügelchen drin haben, die sich meinem Körper beim Liegen anpassen sollen. Bin mal gespannt, ob das wirklich noch schöner ist. Dann hat mir Herrchen mein Futter kredenzt. In Gesellschaft meiner neuen Familie hat das richtig lecker geschmeckt. Nach einem gepflegten Schläfchen ist er mit mir noch in die Stadt gegangen. Ich glaube ja, der wollte mich richtig auspowern, damit ich die erste Nacht gut durchschlafe und keinen Blödsinn mache. Das ist ihm gelungen. Nach meinem letzten Toilettengang hat sich dann Herrchen ins Bett gelegt und noch so einen flackernden Kasten angesehen. Da ich so müde war, bin ich schnell eingeschlafen und habe gar nicht mehr mitbekommen, dass er diesen Kasten und das Licht ausgemacht hat. Habe ich schön geträumt. Das war meine erste Nacht im neuen Zuhause.

 

27.08.14

"Steine, suuuper?"

Habe ich gut geschlafen. Heute morgen nach dem Frühstück war Fellpflege angesagt.  Erst Entfilzen, dann Kämmen und abschließend noch die Entfernung abgestorbener Haare und der Unterwolle. Ziepen, Zwicken, Schneiden ..., war aber trotzdem ganz brav. Schleim. Herrchen will mich wieder richtig müde machen, damit meine aggressive Seite nicht die Führung übernimmt. Trotzdem habe ich mich heute bei unserem morgendlichen Spaziergang mit einem Schäferhund-Mädchen angelegt. Wir sind erst länger nebeneinander her gelaufen und durften uns dann beschnuppern. Ich habe sie an meiner Flanke und auch hinten an mir schnuppern lassen. Dann schnupperten wir uns an der Schnauze. Und da kam sie wieder, meine andere Seite. Ich weiß nicht mehr, wer angefangen hat. Ich weiß nur, dass ich - wenn ich an der Leine anderen Hunden begegne - sie nicht mehr angreifen möchte, bin aber den direkten Körperkontakt zu fremden Hunden nicht gewöhnt. Wir verbissen uns kurz, haben uns aber nicht ernsthaft verletzt und sind dann sofort wieder getrennt worden. Da ist beim Training noch viel Luft nach oben. Nachmittags sind wir dann vom Süden Lippstadts bis zum Grünen Winkel gelaufen. Dort durfte ich an einer riesig langen Schleppleine in der Lippe planschen. Die schwimmenden Enten haben mich dabei nicht interessiert. Viel besser fand ich die ganzen Steine auf dem Grund des Ufers. Leider konnte ich diese wegen meines Maulkorbes (zum Schutz meiner Zähne) nicht hoch holen. Aber mein Herrchen warf einige Steine in die Mitte der Lippe. Ich hinterher, und als ich da war, wo der Stein ins Wasser fiel, war der immer verschwunden. Zauberei. Hat richtig Spaß gemacht. Als wir zu Hause ankamen, stand dort, wo meine provisorische Decke lag plötzlich eine Hundebox. Herrchen wollte mich - so glaube ich - langsam an dieses neue "Häuschen" gewöhnen und warf 3 Futterstücke in die Box. Beim dritten legte ich mich gleich rein und wartete, dass die Leckerchen zu mir geflogen kamen. Ich musste mich doch wieder von meiner liebenswürdigen Seite zeigen. Herrchen war überrascht und hat sich tierisch gefreut. Habe ihm aber nicht erzählt, dass ich das von meiner Zeit vor dem Tierheim bereits kannte. Habe mich bei den ersten zwei Futterstücken nur extra doof angestellt, weil ich Herrchen ein Erfolgserlebnis bereiten wollte. Hat geklappt.

 

"Und wo sind der Meerblick und die Dachterasse?"

 

Abends habe ich mit meinem Herrchen wieder diesen Kasten angestarrt. Als ich Druck auf meiner Blase verspürte stand ich auf, ging zur Tür, setzte mich vor sie hin und schaute sie an. Herrchen wusste genau was los war, war von mir beeindruckt und ging mit mir in den Garten. Hat der mich gelobt. Das war richtig toll.

 

29.08.14

Nach vier erfolgreichen Versuchen

Heute bin ich mit Jost im Süden zwischen Feldern und Wiesen spazieren gegangen. Weit und breit waren weder Menschen noch Hunde zu sehen. Plötzlich spürte ich seine Hand an meinem Halsband. Ich dachte ich träume. Er löste die Leine. Ich war das erste Mal nach mindestens 20 Monaten frei. Ich musste mich ganz schön zusammen nehmen, um nicht gleich vor Freude los zu stürmen. Dann endlich gab er mir ein Zeichen und ich rannte los, kreuz und quer. Ich war so aufgeregt, dass ich erst einmal in den Graben gesprungen bin und dort ein Häufchen hingelegt habe. Dann lief ich auf das offene Feld. Vier Mal hat Jost Erdklumpen weg geworfen. Vier Mal bin ich auch zurück gekommen. Beim fünften Mal habe ich versucht eine Maus zu fangen und fing an das Feld umzupflügen. Als Jost gerufen hat, entschied ich mich allerdings für die Maus und versuchte weiter sie auszugraben. Dann rannte Jost plötzlich davon. Ob der mich vergessen hat? Bevor ich wieder im Tierheim abgeliefert werde, renne ich ihm lieber hinterher. Als ich ihn eingeholt habe, hat er sich gefreut und hat mich geknuddelt. Leider war damit die große Freiheit beendet. Leine daran und weiter bei Fuß. Vielleicht darf ich das später noch einmal. Dann werde ich auch ganz bestimmt besser auf ihn hören und zu ihm rennen.

 

01.09.14

Schweinchen-Familie

Heute waren wir wieder in der Fußgängerzone. Plötzlich standen dort drei kleine Holzschweine, die mit Kordeln verbunden waren. Ich habe richtig Angst gehabt. Dann setzte sich Jost auf eines dieser Schweine. Als dieses nicht gebissen hat, bin ich näher zu Jost gegangen. Dann lief er mit mir mehrmals im Slalom durch die Schweinefamilie und ich hatte keine Angst mehr.

 

 

 

Gefederte Ente

Etwas weiter flatterte eine große Fahne von einem Telefonanbieter. Das war mir auch nicht so geheuer. Jost warf Leckerchen immer näher an die Fahne und nach wenigen Minuten sind wir beide gemeinsam ganz eng um die Fahne im Kreis gelaufen. Dann gewöhnte er mich noch an eine gefederte (nicht gefiederte!) Ente. Die sah aus als wollte sie irgendwo hinlaufen, konnte aber nicht weg, weil sie am Boden fest getackert war.

 

 

  

  

 

02.09.14

Heute wollten wir wieder in die Innenstadt. Auf dem Weg dort hin wurde es richtig dunkel. Ganz leise hörte ich auch ein "Gegrummel", das immer lauter wurde. Weil es heftig an zu regnen fing, setzte sich Jost dann mit mir auf die überdachte Terrasse eines Kaffees. Dann hat es einige Male richtig laut gedonnert. War mir das peinlich. Ein Kerl wie ein Baum, mit Maulkorb und dann "Schiss" vor einem Gewitter. Am liebsten wäre ich in Grund und Boden versunken. Dies ging aber nicht, so bin ich nur unter den Stuhl von Jost und unter dem Tisch versunken und habe am ganzen Körper gezittert. Jost machte mit mir eine Atemtherapie, um mir den Stress zu nehmen. Um mir weiteren Stress in der Fußgängerzone zu ersparen, gingen wir dann lieber wieder nach Hause.

 

04.09.14

Diego auf dem Kinderkarussell

Heute waren wir wieder in der Fußgängerzone. Dort sollte ich mich auf ein Kinderkarussell mit drei Sitzplätzen und einer Drehscheibe setzen, das eigentlich für kleine Kinder gedacht ist. Was sollte ich denn da drauf? Ich, ein ausgewachsener fünfjähriger Rüde mit Maulkorb? Na ja, wenn Herrchen Spaß daran hat. Ich setzte mich also auf die Scheibe, Herrchen zog ganz leicht an der Leine und schon setzten sich die Straßen, Häuser und Passanten in Bewegung. Alles drehte sich um mich herum. Ich habe einmal überreifes Obst gegessen, das fühlte sich genau so an und anschließend wurde mir ganz schlecht. Zu meiner Erleichterung hat er dann die Richtung gewechselt und sich selber auf einen der Sitze gesetzt. Unter dem Strich war ich mir sicher, dass mir nichts passieren konnte und Jost alles im Griff hat. Ich vertraue ihm halt, auch wenn er manch unsinnige Sachen mit mir anstellt. Und bei dieser Gelegenheit habe ich mit meiner Rute den Boden um das Karussell gefegt. Ein typischer Straßenfeger eben. Video auf YouTube, einfach hier klicken!  

 

06.09.14

Doch bequemer als auf dem Teppichboden

Heute ist das Bett mit den vielen kleinen Kügelchen bei uns eingetroffen. Ihr werdet es nicht glauben: Herrchen wollte jetzt meine Hundebox zusammenklappen und auf den Dachboden stellen und mir statt dessen dieses Bett hinstellen. Da habe ich protestiert. Ich tausche doch kein Einfamilienhaus gegen einen Schlafsack. Konnte Herrchen davon überzeugen, mir die Box stehen zu lassen und das Hundebett in seinem Zimmer unter den Tisch zu stellen. Dann brauche ich dort nicht mehr auf dem Teppich liegen. Herrchen sagt immer, dass man dem Hund Grenzen setzen muss. Das Gleiche tue ich auch - und wie Ihr sieht - mit Erfolg!

 

13.09.14

Jost ist heute ohne mich auf den Hundeplatz gegangen. Er hatte Dienst bei der Junghundegruppe und hätte sich während dieser Zeit nicht genügend um mich kümmern können. Dann meinte er noch, dass ich noch nicht so weit wäre. Meint der etwa, dass ich mich den anderen Hunden gegenüber nicht zur Wehr setzen kann? Denen werde ich schon zeigen, wer der neue Chef auf dem Hundeplatz ist. Nächste Woche Samstag - so hat mir Jost versprochen - wird er mich das erste Mal mit auf den Hundeplatz nehmen. Bin ´mal gespannt auf die ganzen Luschen, die da so ´rumlaufen.

 

 

 

  

Nachtrag: 

Nachmittags wollte Jost wieder mit mir durch die Fußgängerzone laufen. Da aber zu viel Betrieb war, und er mir nicht zu viel Stress zumuten wollte, setzte er sich auf eine Bank und ließ mich das Treiben beobachten. Dann stand plötzlich eine Frau mit zwei Mädchen vor uns und sprach Jost an. Sie fragte, ob ich aus dem Tierheim käme und nach meinem Namen. Dann gab sie sich als Schwester des ehemaligen Besitzers mit ihren beiden Töchtern zu erkennen. Die Freude war groß und sie setzten sich alle mit auf die Bank. Vorsichtig tastete  ich mich mit meinem Maulkorb an sie heran. Dann war Kuscheln angesagt. Gefühlte tausend Fragen und Antworten wechselten hin und her. Was die alles wissen wollten - und alles über mich. Dann zeigte sie Jost ein Video, dass sie auf ihrem Handy hatte. Dort war mein Bruder Jackson und ich zu sehen, wie wir in ihrem Garten spielten. Sie  verabredeten miteinander, sich zu einem gemeinsamen Spaziergang zu treffen. 

 

20.09.14

Jost hat mich vor meinem großen Auftritt auf dem Hundeplatz noch einmal richtig chic gemacht und gekämmt. Dann sind wir zu Fuß zum Platz gegangen. Ich konnte es kaum abwarten, mein neues "Wohnzimmer" oder besser meine neue Residenz oder noch besser mein neues Regierungsviertel für mich zu beanspruchen. Bevor wir den Platz betraten, hat Jost mich noch einmal gewarnt: Bevor wir wegen meines Benehmens ein lebenslängliches Platzverbot bekämen, würde er mich zurück ins Tierheim bringen. Als wir das Gelände betraten, waren zunächst nur zwei Hunde dort und Jost hat erst einmal jeden Zaun, jeden Busch und jeden Baum für sich beansprucht, sodass ich gar nicht erst auf die Idee komme, dort zu markieren und den Stempel "MEINS" aufzudrucken. Dann sind wir die beiden kleinen Ausläufe am Rand abgegangen. Endlich kamen so langsam meine restlichen Untertanen auf den Platz. Die waren alle so entspannt und sind an mir vorbei gelaufen, ohne mich zu provozieren ohne aufdringlich zu sein und folgten ihren Haltern. Die waren ja richtig gut erzogen und hörten fast alle aufs Wort. Aber ich habe ja noch ein Ass im Ärmel. Statt ´rum zu pöbeln, mach ich jetzt einfach ein auf Knigge, habe mich hingesetzt und mir die Sache aus sicherer Entfernung angeschaut. Während die anderen in Gruppen trainiert haben, sind wir im großen Bogen um die Gruppen gelaufen. Ein Trainer hat sogar erlaubt, dass ich mit Jost - ich meine natürlich Jost mit mir - durch eine Gruppe mit Hunden laufen durften. War ganz schön aufregend. Später habe ich noch mit zwei kleinen Hunden der Junghundegruppe durch den Zaun geflirtet und sie beschnuppert. Als diese in einer Pause das Toben begannen und hintereinander herliefen, wäre ich schon gerne mitgelaufen. Aber Ihr kennt ja den Spruch von Jost: "Der ist noch nicht so weit"! Nach dem Training saßen noch einige Halter mit ihren Hunden zusammen. Alle waren wir entspannt und Jost war ganz stolz, dass ich ihn nicht blamiert habe. Ich glaube, die brauchen hier gar keinen Chef. Ich werde zukünftig gelassen, entspannt und ohne Aufregung am Training teilnehmen. Vielleicht finde ich hier ja dann wieder neue Freunde, so wie die im Tierheim.

 

21.09.14

Wiedersehensfreude

Wegen des starken Regens war Jost mit mir heute Morgen nicht spazieren. Das geht ja gar nicht. Dann, ca. eine halbe Stunde nachdem es aufgehört hat, setzte er mir den Maulkorb auf und leinte mich an. Wir gingen nach draußen vors Haus und warteten. Warum geht denn der mit mir nicht weiter? Dann parkte ein Auto vor unserer Garage und es stiegen eine Frau und drei Mädchen aus. Dann habe ich gedacht, ich träume. Dort stand plötzlich ein Mädchen, das mir bekannt vor kam. Aber das konnte sie nicht sein, die war viel größer als die, die ich kannte. Doch bei näherem Hinsehen wurde mir .... Das darf nicht wahr sein, Sie ist es, die Tochter von meinem ehemaligen Herrchen, die, die so viel Zeit mit mir verbracht und mir so viel beigebracht hat. Vor lauter Freude sind sogar Tränen geflossen. Das ging bei mir leider nicht, dafür habe ich vor lauter Aufregung ganz, ganz doll mit meinem Schwanz gewedelt und habe sie zur Begrüßung angesprungen. Dann hüpfte mein Bruder Jackson aus dem Wagen. Als er mir zu nah kam, war ich sehr unsicher und knurrte ihn an. Er versuchte die ganze Zeit Kontakt aufzunehmen, merkte aber immer wieder das, was Jost immer sagt: Ich bin noch nicht so weit. Anschließend sind wir zwischen den Feldern Spazieren gegangen und ich habe mit den Mädchen gespielt, natürlich mit Erdklumpen. Auf dem Weg nach Hause sind Jackson und ich dann ganz brav nebeneinander her gelaufen, haben uns zwar noch nicht angesehen, aber auch nicht angezickt. Dann mussten wir uns wieder verabschieden. Küsschen hier und Küsschen da. Das Wiedersehen mit einem Teil meiner ehemaligen Familie war toll. Jost hat ihnen versprochen, dass sie mich jederzeit wieder besuchen dürfen.

  

Ich und mein Bruder Jackson

 

23.09.14

Bevor die Welpen kamen, hatten Jost und ich die ganze Wiese auf dem Hundeplatz für uns alleine. Er nahm mir den Maulkorb ab, löste die Leine von meinem Halsband und ließ mich frei laufen. Gelaufen bin ich aber nicht. Ich bin wie ein Wahnsinniger auf der Wiese gerannt. Hin und her und kreuz und quer. Als ich weiter von ihm entfernt war, ist Jost plötzlich auf den Rasen gefallen. Er rührte sich nicht mehr. Ich lief ganz schnell zu ihm hin (von 0 auf 100 in 2,5 Sek.), um zu schauen, ob ihm etwas passiert ist. Als ich bei ihm ankam, lag er putzmunter auf der Seite, freute sich, war natürlich ´mal wieder stolz auf mich und gab mir ein Leckerchen. Dann durfte ich beim Welpentraining zuschauen. Die mussten ja noch viel mehr lernen als ich. Und tollpatschig waren die. Einige haben überhaupt nicht auf ihre Besitzer gehört, andere wurden beim Spielen grantig und wieder andere interessierte das Ganze überhaupt nicht. Dann habe ich plötzlich ganz leise etwas gehört, was mir Angst machte. Ich habe es natürlich eher gehört als mein Herrchen, wie immer. Es wurde immer lauter und ich fing an, unruhig zu werden und zu bellen. Dann kam ein riesiger Fußball hinter einem Baum hervor. Er flog ganz langsam seitlich am Hundeplatz vorbei. Manchmal zischte es und eine Flamme schoss in den Ball. Das war ein furchtbares Geräusch. Ich habe nur noch gebellt und gezittert. Jost ist dann mit mir Richtung Ausgang gegangen, damit ich die kleinen Wollknäuele nicht bei ihrem Training störe. Wieso hatten die denn keine Angst? Einfach nur peinlich. Einige Minuten nach der Landung habe ich mich wieder beruhigt. Jetzt weiß Jost wenigstens, dass er mich bei Gewitter und großen fliegenden Bellen in ein Paralleluniversum beamen muss.

 

28.09.14

Heute sind wir wieder zu dem Acker gegangen, wo die ganzen Erdklumpen sind. Wenn ich dort zu lange mit einem Erdklumpen "gekämpft habe", fing ich immer an zu fiepen. Jost meinte, dass sich dieses Verhalten schleichend zu einer Phobie, also zu einem Zwangsverhalten, entwickeln kann. Aus diesem Grund, und natürlich, weil ich dann gar nicht auf ihn höre, hat er jeden Erdklumpen, den ich mit der Schnauze beschnuppert habe und jeden, mit dem ich mit den Füßen spielen wollte, für sich beansprucht. Er machte mir klar, dass alle Erdklumpen, die hier auf dem Feld liegen, ihm gehören und ich diese nicht zum Spielen nehmen darf. Komisch, dass Jost genau weiß, welche Erdklumpen ihm gehören. Da liegen doch ganz doll viele herum. Nachdem ich das begriffen habe, sollte ich mich hinsetzen. Er machte wieder die Leine ab und ging etwas von mir weg. Dann rief er mich und ich rannte - ohne mich von den Erdklumpen ablenken zu lassen - zu ihm hin. Dies wiederholte er einige Male, wobei der Abstand zwischen mit und ihm immer größer wurde. Mir ist jetzt auch viel wichtiger, zu ihm hin zu laufen, statt diese blöden Erdklumpen zu rollen. Erstens werde ich bei der Menge von Erdklumpen nie damit fertig und zweitens ist es mir wichtig, dass ich Jost eine Freude mache, indem ich sofort zu ihm renne, wenn er mich ruft. Und unter uns: Manchmal springt da auch ein Leckerchen raus, wenn ich schnell komme. 

 

01.10.14

Ich glaube, heute hat Jost völlig am Rad gedreht. Der hat mich überall "befummelt": Die Ohren, die Augen, die Schnauze, meinen ganzen Bauch, die gesamte Wirbelsäule, meine Vorder- und Hinterläufe und meine Muskelpakete. Anschließend hat er alle meine Gelenke gebeugt und gesteckt. Mit einer normalen und einer Wärmebildkamera hat er Fotos und Videos von mir gemacht, hat mich ausgemessen und noch einmal gewogen. Boah, war das nervig. Aber so was von. Nebenbei machte er sich Notizen und war wieder ganz stolz auf mich, dass ich ihm keine Schwierigkeiten gemacht habe. Dann versprach er mir zur Entschädigung eine Massage. Ob das ein neues Leckerchen ist, was er mir gekauft hat, keine Ahnung. Dann sollte ich mich auf die Seite legen. Er fing dann an, mich fester als sonst auszustreichen und an mir herum zu kneten. Das fühlte sich genau so an, wie damals, was er im Tierheim öfters mit mir gemacht hat. Und das war wieder so toll entspannend. Nach einer viertel Stunde habe ich die Seite gewechselt und dann durfte ich das gleiche auf der anderen Seite genießen. Nach einer halben Stunde war schon wieder alles vorbei. Hoffentlich macht er das wieder öfter mit mir.

  

05.10.14

Nach einer ausgedehnten Massage, die wieder richtig gut tat, hat Jost mit mir meine Muskeln trainiert. Hals-, Rücken- und Bauchmuskulatur und anschließend die Muskeln der Vorder- und Hintergliedmaßen. Ich brauchte mich eigentlich nicht viel bewegen, anstrengend war es trotzdem. Nach zwanzig Minuten habe ich mich gefühlt, als wenn ich zwei Stunden Spazieren gegangen wäre. Und zu jeder Massage gehört anschließend ein entspanntes Schläfchen auf meinem Bettchen. Ihr wisst schon, das mit den vielen Kügelchen, das Jost . . . gääähn, rzipüh, rzipüh, rzipüh . . .

 

14.10 14

Nachdem mir Jost klar gemacht hat, dass ihm alle Erdklumpen auf diesem einen Feld gehören, auf dem er mich immer frei laufen lässt, musste er mir stattdessen ein "Alternativ-Verhalten" - so nennt er das - anbieten. Also kaufte er für mich eine Ballschleuder für Tennisbälle und warf den ersten Ball in das Feld. Ich rannte sofort hinterher (Ihr wisst ja, von 0 auf 100 in 2,5 Sek.), holte mir den Ball und rannte wieder in seine Richtung zurück. Dann sollte ich den Ball, den ich selber geholt habe, bei ihm abgeben . . ., hallo?

 

Meins oder Deins?
Wenn ich es mag, gehört es mir!
Wenn es in mein Maul passt, gehört es mir!
Wenn ich es Dir wegnehmen kann, gehört es mir!
Wenn ich es zuerst hatte, gehört es mir!
Wenn es meins ist, kann es niemals Deins sein!
Wenn ich etwas zerstückle, gehören alle Stücke mir!
Wenn es aussieht wie meins, dann ist es meins!
Wenn Du mit etwas spielst und es dann ablegst, wird es automatisch meins!
Wenn ich es zuerst sah, dann ist es sowieso meins!
Eigentlich ist alles meins, außer, wenn es kaputt ist, dann ist es Deins!

 

Dann wurde mir langweilig, und ich ließ den Ball fallen. Jost beanspruchte den gleich wieder für sich, blöd . . ., aber auch wieder gut, denn was Jost nicht hatte, konnte er auch nicht wegwerfen. So nahm er den Ball wieder mit seiner Schleuder auf und warf ihn wieder weg. Ich wieder hinterher und rannte mit dem Ball direkt wieder zu Jost und ließ den Ball ca. 50 cm vor ihm auf den Boden fallen, weil er den wahrscheinlich dann sofort wieder wegwirft. Und genau so war es. Hab´ ich den nicht wieder mit Erfolg so erzogen, wie ich es möchte? Und dafür hat der mich auch noch wie Bolle gelobt und war ganz stolz auf mich. Hoffentlich kann ich ihn zukünftig öfters dazu bringen, mit mir dieses Spiel zu spielen.

 

18.10.14

Heute habe ich ein Paket bekommen. Leider durfte ich es nicht selber öffnen. Drinnen war ein Geschirr  in  der  Farbe gelb mit reflektierenden Nähten und an den Seiten jeweils ein Schild "IN AUSBILDUNG". Jost hat mir das Geschirr schmackhaft gemacht - damit ich es auch gerne trage - und erklärt, dass mich - nach dem Umstellen der Zeit auf die Winterzeit - andere Leute oder Verkehrsteilnehmer im Dunkeln besser erkennen können. Des Weiteren soll jeder sehen, dass ich noch in der Ausbildung bin und somit einen gesunden Abstand zu mir halten soll. Das finde ich blöd. Jetzt weiß jeder, dass ich kein Kuschelkurs einschlage, obwohl ich zu Hause gerne kuschele. 

  

27.10.14

Irgendwie hat sich Jost heute wieder einmal über mich gewundert und gefreut. Mag es daran liegen, dass, wenn er mich frei laufen lässt, ich mich alle paar Meter nach ihm umschaue, ob er noch da ist. Aber wieso wundert er sich darüber. Er hat mit mir doch durch Training im stillen Kämmerlein, im Garten und auf der Straße Konzentrationsübungen und Blickkontakt geübt. Der unterschätzt mich ´mal wieder. OK, vor ein paar Wochen hat es mich recht wenig, oder besser gesagt, gar nicht interessiert, wo mein Herrchen ist oder ob er überhaupt da ist. Wenn er sich versteckt hat, habe ich ungefähr schon nach 5 Minuten gemerkt, dass er gar nicht mehr in Sichtweite ist. Wenn ich ihn dann gesichtet habe, bin ich ganz gemächlich und auf Umwegen zu ihm getrottet. Jetzt laufe ich auch gar nicht mehr so weit voraus und weiß, dass er in meiner Nähe ist, wenn ich eine Situation nicht richtig einschätzen kann. Das nenne ich entspanntes Gassi Gehen.

 

06.11.14

Die Leuchtboje

Seit der Umstellung auf die Winterzeit, kommt es jetzt immer häufiger vor, dass Jost in der Dämmerung oder im Dunkeln mit mir spazieren geht. Im Tierheim gab es nur die Beleuchtung, die das Tierheimgelände nachts aufgehellt hat. Diese Lampen haben sich aber nicht bewegt. Während der ersten Tage war ich sehr verunsichert, als sich die vielen Lichter bewegten, auf uns zu kamen und uns blendeten. Das hatte ich schließlich 20 Monate lang nicht mehr gesehen. Am schlimmsten ist es für mich immer noch, wenn wir beide vor einer Fußgängerampel stehen - ich muss dort immer absitzen bis ich schwarz werde - bis es grün wird, und uns Passanten von der gegenüberliegenden Seite vor den Scheinwerfern der wartenden Autos entgegen kommen. Da fühle ich mich noch sehr unsicher und gehe - bevor uns etwas passiert - lieber richtig ins Geschirr. Apropos Geschirr. Für die dunkle Jahreszeit hat mir Jost ein Geschirr gekauft, knallig gelb, mit Reflexnähten und einem kleinen, blinkenden Lämpchen, damit ich besser von Passanten und anderen Verkehrsteilnehmern gesehen werde. Komme mir vor wie eine Leuchtboje in der Nordsee, wobei ich noch nie eine gesehen habe.

 

08.11.14

War das wieder ein aufregender Tag. Zuerst ist Jost mit mir zu Fuß zum Hundeplatz gegangen.  Das macht der immer extra, damit ich müde und somit ruhiger werde. Dann wollte sich der Sportwart des Hundevereins mir vorstellen. Da habe ich gedacht: Lass ihn ´mal kommen, dem werd´ ich dann auch gleich zeigen, wer hier der wahre Chef ist. Der kam aber nicht. Da wurde ich neugierig und ging zu ihm hin und machte sofort ein Tauschgeschäft mit ihm. Ich darf ihn beschnuppern, dafür darf er mich anfassen. Er ging auf den Deal ein und verhielt sich genau so, wie es ein Hundekenner eben macht. Da der Sportwart auch das Training zur Unterordnung leitete, besprachen die beiden, dass Jost erst einige Runden mit mir um die Gruppe drehen sollte, bevor wir uns dann in die Gruppe integrieren. Bis auf die Übungen, wo die anderen Hunde abgeleint werden und bei denen sie alleine in der Ablage bleiben sollten, haben wir alles mitgemacht. Zweimal musste mich Jost noch bremsen, da wollte ich "nur mit den anderen spielen" ! ? !

 

Ich mach' Bubu, was machst Du?

Am Nachmittag waren wir beide wieder mit der Tochter meines Vorbesitzers zum Spazieren verabredet. War das wieder eine Begrüßung. Dann haben wir dort, wo weder Menschen- noch Hundeköpfe zu sehen waren, mit einer Ballschleuder gespielt. Ohne Leine und ohne Maulkorb.. Das habe ich natürlich wieder genossen. Gas geben, hinter einem Ball herlaufen, Vollbremsung, dass die Erde nur so flog, während des Laufens nach dem Ball schnappen und diesen wieder zurück bringen. Anschließend war ich so fertig, dass ich mich auf mein Schläfchen gefreut habe. Aber nix da. Beide sind dann noch mit mir auf den Skatplatz gegangen, wo wir ihren Freund getroffen haben. Nach längerem Zuschauen haben wir uns dann verabschiedet (habe sogar wieder Küsschen von ihr bekommen) und sind dann nach Hause gegangen. Dann war es endlich so weit, ich konnte Bubu machen. Und das Sandmännchen hat auch nicht lange auf sich warten lassen.

 

09.11.14

Jost war heute am offenen Sonntag wieder im Tierheim und hat dort physiotherapeutische Behandlungen für Besucherhunde durchgeführt. Wieder zu Hause hat er mir erzählt, dass mein Bruder Bishop - jetzt heißt er Woody - mit seinen Besitzern dort waren und sie sich lange über uns unterhalten haben.

 

21.11.14

Herrchen hat Großes mit mir vor. Zur Vorgeschichte: Jost wollte mich von Anfang an mit frischem Fleisch füttern. Da eine Umstellung von Trocken-Fertigfutter auf Rohfutter aber für den Körper mit erheblichem Stress verbunden ist, ich aber erst den Stress der Eingewöhnung in mein neues Zuhause bewältigen sollte, sollte die Futterumstellung erst nach drei Monaten erfolgen. Mir ist schon aufgefallen, dass er in den letzten Tagen ständig im Internet war, um nach Lieferanten für Fleisch zu recherchieren, das nicht vom Rind stammt und mit dem hiesigen Schlachthof telefoniert hat, um heraus zu bekommen, was diese alles vom Rind anbieten. Ihr glaubt es kaum, aber nur vom Zusehen und Zuhören der Telefonate ist mir der Sabber schon im Mund, Entschuldigung, im Maul zusammen gelaufen.

 

Als Herrchen ´mal kurz den Raum verlassen hat, habe ich einen kurzen Blick auf meinen zukünftigen Futterplan für die nächsten 4 Wochen riskiert. Da standen tolle Sachen drauf: Von Rindfleisch, Hühnerhälse, Blättermagen, Rinderlunge, Wittling Filet, stinkender Dorsch-Lebertran, rohes Ei mit Schale über Putenhälse, grünen Pansen, Entenhälse, Labmagen, Putenherzen, Gänseherzen bis hin zu diversen Futterergänzungsmitteln. Und das Beste daran: Eins stinkt mehr als das Andere. Mmmmmhhh, lecker!

 

Nun genug zur Vorgeschichte. Um sicher zu stellen, dass ich vor der Futterumstellung organisch gesund bin, lässt Jost bei mir ein großes Blutbild machen. Dies wird ca. nach 6 - 12 Monaten noch einmal wiederholt, damit er gegebenenfalls Mangelerscheinungen entgegenwirken kann, die durch die Futterumstellung entstanden sind. Dies wiederum setzt einen Tierarzttermin voraus. Und da liegt das Hauptproblem. Nach der Aufnahme im Tierheim sollte ich kastriert werden. Diese Prozedur - genauer gesagt die Narkose - wurde so dilettantisch vorgenommen, dass ich sogar eine tiermedizinische Fachangestellte ganz doll gebissen habe. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich das Vertrauen zu fremden Menschen verloren. Den Rest gab mir der Aufenthalt im Tierheim, wo ich nie richtig abschalten und mich nie völlig entspannen konnte. Das habe ich nicht einfach so weggesteckt. Und so wurde aus mir ein aggressiver und unsicherer Hund, der alle Leute angekläfft hat, die nur in die Nähe meines Zwingers kamen.   

 

Heute war Jost mit mir bei einem anderen Tierarzt. Ich konnte zunächst mit Maulkorb den Behandlungsraum, dann den Behandlungstisch und zu guter Letzt auch die Tierärztin und ihre Kollegin untersuchen. Nach ein paar Minuten nahm mir Jost den Maulkorb ab und die beiden Weißkittel haben mich mit Leckerchen verwöhnt. Zum Schluß habe ich mit beiden geknuddelt und mich von der Tierärztin an den Pfoten anfassen lassen. So muss man mit Hunden umgehen. Das fand ich toll. Freue mich schon auf Dienstag, da soll mir Blut abgenommen werden.

 

24.11.14

Jost hat mir heute über dem linken Ellbogen mein Bein kurz abgebunden, damit er die Vene für den Einstich zur Blutentnahme findet. An dieser Stelle hat er mich mit einer Schermaschine nackig gemacht, damit dies morgen nicht noch in der Praxis vorgenommen werden muss und somit für mich unnötiger Stress vermieden wird. Hat gar nicht weh getan. Nur das Geräusch von der Maschine war blöd, aber daran hat er mich vorher gewöhnt. An der Stelle sehe ich jetzt so aus wie mein Herrchen auf dem Kopf.

 

25.11.14

Irgendwie fing dieser Tag schon mit meinem Frühstück anders an als sonst:

  

Vorsicht Kumpels, wenn Euch solch ein Frühstück serviert wird!

 

Wenn Euch anderen Hunden so etwas zum Frühstück serviert wird, ist irgendetwas im Busch und hat immer einen Haken: Bei mir war es jedenfalls so. Als Jost mit mir nach dem Frühstück zum Auto gegangen ist, mit mir losgefahren ist und wir kurze Zeit unterwegs waren, entwickelte sich bei mir - ich weiss nicht, wie ich es sonst ausdrücken soll - ein "Scheiß-egal-Gefühl". Mir war völlig egal, ob wir links oder rechts abgebogen sind, ob andere Autos hinter oder vor uns gefahren sind, ob die Ampeln rot oder grün waren oder ob wir zum Schwimmen oder Tierarzt gefahren sind. Ich sag Euch: Das war ein tolles Gefühl mit Suchtfaktor. Dann sind wir aus dem Auto gestiegen und in das Haus hinein gegangen, in dem wir bereits am Freitag schon waren. Und siehe da, auch die beiden netten Weißkittel haben dort schon auf uns gewartet und sich wieder bei mir eingeschleimt. Jost hat mich ganz doll gedrückt und fragte irgendwann, ob die Spritze für die Blutentnahme schon gesetzt wäre. Die Antwort war: Die ist schon längst drinnen und es läuft. Mit schwerem Kopf haben wir uns dann noch verabschiedet und sind wieder nach Hause gefahren. Dort angekommen bin ich auch gleich mit kleinen Augen und schweren Augenlidern in meinem Bettchen eingesch . . . gääähn, rzipüh, rzipüh, rzipüh . . .

 

30.11.14

Heute war mir, als hätte ich nichts zu fressen bekommen. Wenn ich mir das so richtig überlege, habe ich wirklich den ganzen Tag nichts zu fressen bekommen. Die Erklärung von Jost habe ich nicht ganz verstanden: Trockenfutter und Rohfutter haben andere Verdauungszeiten. Aus diesem Grund darf man nicht nahtlos die Fütterung umstellen. Zusätzlich soll der Körper einen Tag entgiftet werden. So kann sich der Magen und die gesamte Darmflora auf die ungewohnte Rohfütterung einstellen. Habt Ihr die Erklärung verstanden? Ich nicht, aber egal, Hauptsache Jost weiß, was er tut.

 

01.12.14

Meine 1. artgerechte Fütterung - mmmh, lecker

Da ich morgens nie so großen Hunger hatte, bekomme ich jetzt mittags und abends meine Rationen Rohfutter. Als Jost den Futternapf mit einem "OK" freigegeben hat, dachte ich: "Ist denn schon Weihnachten?" Das sah zwar ekelhaft aus, aber boah, war das lecker. Sonst habe ich immer erst an meinem Napf gerochen und überlegt, ob ich Hunger habe. Diesmal hat es schon aus der Entfernung so lecker gerochen, dass ich nicht lange überlegen musste und gleich gefressen habe. Und ratz- fatz war der Napf leer. Und somit gibt es morgen schönes Wetter. Am Abend habe ich dann meine zweite Ration bekommen. Auch diese habe ich schnell aufgefressen. Ich weiß ja nicht, ob ich so etwas noch einmal kriege. Ich wünsche mir, dass ich das jetzt jeden Tag kredenzt bekomme. Das wäre toll.

 

04.12.14

Früher habe ich beim Frühstück immer in meinen Fressnapf geschaut und mir dann überlegt, ob ich Hunger habe oder nicht. Da ich dann gelegentlich nichts zum Frühstück gefressen habe, dachte Jost, dass ich morgens keinen Hunger habe. Dann habe ich mir überlegt, wie bringe ich ihm bei, dass ich dieses Futter nun auch gerne zum Frühstück bekäme.

 

Also bin ich seit der Futterumstellung morgens in die Küche gerannt mit direktem Kurs auf den Napf, ohne die restlichen Anwesenden zu begrüßen. Nach ganzen 4 Tagen hat es nun auch Jost geschnallt, dass ich bei diesem leckeren Futter auch morgens schon einen Heißhunger verspüre.

 

Heute habe ich ein Drittel meiner Tagesration bereits zum Frühstück bekommen. Ihr seht ´mal wieder: Ich habe mein Herrchen schon ganz gut im Griff. Ach so, wenn Ihr wissen wollt, wie viel und was ich zu fressen bekomme, klickt einfach auf den folgenden Link (Downloads) !

 

07.12.14

Denkmal zu Lebzeiten im Wohnpark Süd

Jost ist mit mir wieder in den Wohnpark Süd spazieren gegangen. Es scheint so, als hätte er sich mit einem Ehepaar verabredet, mit dessen Hund - ein Australian Shepherd - ich bereits vor einigen Tagen Bekanntschaft machen durfte. Wir kamen uns entgegen und Jost ging mit mir vorsorglich auf die Wiese, damit ich mehr Platz zum Randalieren habe. Dann war es wieder so weit: Wir begrüßten uns lautstark und das Ende der Fahnenstange meiner sozialen Toleranz war ´mal wieder erreicht. Dann hat mich Jost an einen Baum gebunden und ging der Frau hinterher. Ich habe gehofft, dass er ihr richtig den Marsch bläst, weil die beiden es gewagt haben, unseren Weg zu kreuzen. War aber nicht so. Die beiden haben sich ganz entspannt unterhalten, Jost kam zu mir zurück und wir gingen weiter nach Hause. Und genau dieser Hund mit seinen beiden Besitzern begrüßten jetzt Jost unter Einhaltung eines Sicherheitsabstandes. Unter uns: Der war überflüssig. Ich habe keine Angst ... vor niemandem! Dann ist das Trio auf den kleinen Fußballplatz hinter den Zaun gegangen und es wurden verschiedene Situationen nachgestellt. Anschließend ging Jost auch mit mir auf den Platz. Wir umrundeten erst einige Male den Hund mit seinem Herrchen und dann durften wir uns beschnuppern. Ich hatte natürlich wieder meinen Maulkorb auf, wie peinlich. Plötzlich ging der andere Hund - dieser heißt übrigens Blue - in die Vorderkörper-Tiefstellung und zuckte mit all seinen Gliedmaßen, als wolle er mit mir spielen. Als wenn ich mit einem fremden Hund spielen würde, wie kindisch. Dann habe ich doch überlegt und mich entschieden, dieser "Spielaufforderung" nachzukommen und zuckte genauso deutlich zurück. Da waren aber noch die beiden Leinen an unseren Halsbändern, sodass wir nicht fortlaufen konnten. Da Blue bei sehr großer Ablenkung abrufbar ist, ich aber leider noch nicht - dann hätte ich ja schon das Hundeabitur - durften wir leider unserem Trieb nicht folgen. Auf dem großen Spielfeld lief ein offizielles Spiel einer Liga, auf unserem kleineren Rasenplatz spielten in einer Ecke mehrere Jugendliche und am anderen Ende unseres Platz verlief ein Gehweg, auf dem sich gerade Spaziergänger befanden. Wenn Jost mich losgelassen hätte, hätte ich zunächst einmal dem Schiedsrichter gezeigt, wie man ein Spiel kontrolliert und den 22 Weicheiern beibringt schneller zu laufen. Schade!

 

14.12.14

Die Richtung des heutigen Spazierganges war mir sofort bekannt. Es ging wieder zum Hundeplatz. Aber heute ist doch Sonntag. Da ist doch heute niemand. Wird Jost schon merken, dass er ein Tag zu spät kommt, wenn dort niemand ist. Und wie ich gesagt habe, wir sind angekommen und niemand war dort. Doch ein paar Minuten später kamen Blue und sein Herrchen. Jost hat mich angebunden, die zwei hereingelassen, dann haben sie Blue angebunden, mir wieder den blöden Maulkorb aufgesetzt und dann ist Jost mit mir immer um das Herrchen von Blue gelaufen, wobei er den Kreis immer enger genommen hat. Als ich dann das Herrchen von Blue beschnuppern durfte, war ich noch sehr zurückhaltend und suchte nicht  den direkten Kontakt. Dann gab Jost ihm einfach meine Leine und bat ihn, mit mir ein paar Meter zu laufen. Zuerst zog ich noch an der Leine, weil ich so aufgeregt war. Dann wusste ich, dass mir nichts passieren konnte und lief entspannt mit ihm an der Leine ohne zu ziehen. Anschließend sind Jost und ich um Blue und sein Herrchen gelaufen, wir durften uns beschnuppern und diesmal machte ich Blue klar, dass ich spielen wollte. Unsere beiden Herrchen nahmen die Leinen ab und ließen uns frei laufen.

 

Diego genießt das Leben mit Blue

Seit über 23 Monaten war es das erste Mal, dass ich unbeschwert mit einem anderen Hund spielen konnte. Wir rannten kreuz und quer und im Kreis auf dem Hundeplatz. Mal hat mich Blue verfolgt, mal habe ich ihn verfolgt. Als es am schönsten war, wurde mal wieder abgebrochen. Der Grund war aber super: Jost nahm mir den Maulkorb ab und wir durften weiter rennen. Wir lagen übereinander und untereinander, und keiner von uns beiden hat sich so in Rage gespielt, dass er aggressiv wurde. Selbst Herrchen hatte feuchte Augen, weil er mich noch nie mit einem anderen Hund unbeschwert spielen sah. Diese Lusche. Ich war mal wieder der Schnellere und Blue ist meistens hinter mir her gerannt und ist somit die kleineren Runden gelaufen. Deshalb war ich bald so kaputt, dass ich mich mehrmals auf den Rasen gelegt habe und Blue zu mir rannte. Um keine Schwäche zu zeigen - ihr wisst ja, mein guter Ruf - bin ich dann jedes mal wieder aufgestanden und weiter mitgerannt. Das Herrchen von Blue hat mich auch oft gerufen und ich bin zu ihm gelaufen, weil er mir immer Leckerchen gegeben hat. Selbst er rannt vor mir davon, ich ihm hinterher, aber ohne Aggression, dann hat er uns beide gerufen, wir haben beide ganz brav Sitz vor ihm gemacht, haben beide Leckerchen bekommen und weiter ging es. Nach einer Stunde haben wir uns verabschiedet und es ging wieder nach Hause. Ich war richtig fertig. Ich glaube, das war mein zweitschönster Tag seit Jahren. Der schönste war der Tag, als mich Jost aus dem Tierheim geholt hat. Video auf YouTube, einfach hier klicken! 

 

15.12.14

Heute Morgen war nicht viel mit mir los. Ich bin nur im Garten meinen Geschäften nachgegangen und habe schnell gefrühstückt. Dann habe ich mich wieder hingelegt. Ich habe Muskeln gespürt, von denen ich nicht einmal wusste, dass ich sie habe. Mit anderen Worten: Ich hatte heute einen richtig ausgewachsenen Muskelkater. Deswegen mache ich auch gleich wieder Schluss mit meinem Tagebuch. Bis die Tage!

 

20.12.14

Es ist wieder Samstag. "Auf geht´s zur Wies´n", wie die Bayern sagen. Jost hatte heute wieder keinen Dienst und hat mich natürlich wieder mit zum Hundeverein mitgenommen. Bei erträglichem Abstand war ich recht entspannt. Wenn es zu eng wurde, musste Jost entspannt bleiben. So die Zusammenfassung vom Training.

 

Aber dann war es so weit: Die Besitzerin von Fienchen hat Jost angesprochen, ob Fienchen und ich uns beschnuppern dürften. Jost war damit einverstanden und so warteten wir vier, bis die große Wiese frei war und wir beschnupperten uns. Ich hatte natürlich meinen Maulkorb auf. Das ist so ähnlich, als würde jemand mit Mundschutz einen anderen küssen - blöd oder? Ich hab´ mich bei Fienchen natürlich groß gemacht. Schwanz hoch, Ohren hoch, aufrechter Stand und steife Haltung, so wie ich es von meinem Papa früher gelernt habe. Ich glaube ich habe Fienchen beeindruckt. Als wir beide brav blieben, haben sie unsere Leinen gelöst und wir durften frei laufen. Ich rannte wieder mit Höchstgeschwindigkeit einen großen Kreis und Fienchen hinter mir her. Ich war natürlich als Mann schneller, so wie es sich gehört. Nach ein paar Runden war die süße Maus müde. Sie ist ja auch ein bisschen älter als ich. Aber der Altersunterschied ist mir egal. Ich steh halt auf reifere Hündinnen, sie dürfen aber auch ein bisschen jünger sein. Die Besitzerin von Fienchen hat mich sogar gerufen und ich bin zu ihr gegangen, habe "Sitz" gemacht und sie hat mir getrocknete Fische durch meinen "Mundschutz" gegeben. Die war ganz lieb.

 

So langsam wächst wieder das Vertrauen in andere Menschen und Hunde. Ein tolles Gefühl.

 

31.12.14

Das Datum spricht ja wohl für sich, oder? Sylvester . . . Prima Erfindung! 

 

Jost ist mit mir heute sehr früh - das heißt nach dem Frühstück - Spazieren gegangen. Zwischen den Feldern durfte ich auch wieder frei laufen. Dann plötzlich in weiter Ferne ein Knall. Jost rief mich sofort zu sich und legte mir wieder die Leine an. Bei dem einen Knall sollte es aber nicht bleiben. Während des gesamten Rückweges knallte es in großer Entfernung. Ich klemmte meine Rute zwischen die Beine und machte Jost klar, dass ich so schnell wie möglich nach Hause wollte, indem ich immer stärker an der Leine zog. Meine Erziehung mit "bei Fuß laufen" blieb dabei völlig auf der Strecke. Um 19:00 Uhr wollte Jost mit mir das letzte Mal in diesem Jahr in den Garten zum Lösen gehen. Ich habe gerade mein kleines Geschäft eingeleitet, da knallte es schon wieder. Ich habe sofort meinen Hahn zugedreht und nichts wie ins Haus zurück. Oben im Schlafzimmer hat Jost die Rouleau herunter gelassen, das Fenster geschlossen und den Fernseher etwas lauter gestellt. Habe ihm aber bewiesen, dass ich trotzdem noch etwas von der Knallerei höre. Zuerst reichte es mir mit leichten entspannenden Massagen, ich war abrufbar und legte mich zeitweise sogar relativ entspannt hin. Aber je später der Abend, desto häufiger und lauter knallte es. So gegen 22:00 Uhr wurde mir das dann zu bunt. Ich funkte zu Scotty vom Raumschiff Enterprise, er möge mich bitte sofort in ein Paralleluniversum beamen. Dies tat er natürlich nicht. Dann ging ich unter das Bettgestell von Jost auf Tauchstation. Da war es relativ dunkel und eng. Das gefiel mir, und ich beschloss, dort bis nächstes Jahr irgendwann liegen zu bleiben. Ich hörte auf zu hecheln, legte meinen Kopf relativ entspannt auf den Boden und sah, dass Jost gelegentlich fürsorglich nach mir sah, ob ich noch lebe, weil ich so ruhig war. Fazit: Die Stimmung und die Lautstärke im Tierheim ist im Vergleich zum Jahreswechsel wie auf einem Friedhof.

 

01.01.15

Zunächst dachte ich, die Knallerei hätte ein Ende. Aber nein, jedes Mal, wenn ich meinen Geschäften im Garten nachgehen wollte, knallte es wieder irgendwo. Für mich ist das die Hölle. Ihr müsst Euch einmal vorstellen, Ihr lasst die Hose herunter, setzt Euch auf die Toilettenbrille und in diesem Moment geht in der Schüssel ein Böller los. Könnt Ihr das nachvollziehen? Super Aktion, lustig und pädagogisch sehr wertvoll ? ! ? Spendet die Millionen lieber den Tierheimen dieser Welt oder kauft Eueren Kindern etwas Schönes dafür. Darüber freuen die sich bestimmt länger als ein paar Sekunden. Mittags ist Jost mit mir zum Bibertal gefahren. Dort hat sich der Hundeverein zur Neujahrswanderung getroffen. Nach anfänglicher Unsicherheit bin ich später relativ entspannt mitgelaufen. Selbst wenn die kleinen Wadenbeißer - alle übrigens ohne Leine - um mich herum wuselten, blieb ich ruhig. Eine kleinere Zickerei mit einem Briard musste aber sein. Das ist aber bei uns Hunden - so denke ich - normal. Ihr liebt ja auch nicht jeden und es erwartet niemand von Euch, dass Ihr jedem um den Hals fallt. Nach 2 Std. und 45 Min., Wegen bergauf, Wegen bergab, asphaltierten Wegen, Schotterwegen, Pfützen, Eis, Schnee, Matsche, Matsche und wieder Matsche waren wir dann irgendwann wieder an unserem Auto. Nach einer kleinen Stärkung mit Kaffee, Tee und Gebäck ging es dann wieder heimwärts. Wurde auch Zeit, denn ich war richtig müde. Aber selbst zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht einmal meinen Geschäften in Ruhe nachgehen! Wieder hörte ich Bum, Peng, Paf . . .

  

  

Lippstadt-stürmisch-die Frisur hält !

09.01.15

London - regnerisch - die Frisur hält !

Dubai - staubig - die Frisur hält !

Rom - sonnig - die Frisur hält !

Lippstadt - stürmisch - die Frisur hält !

  

4-Wetter-T. - das Haarspray auch für Ihren Hund !

 

Am späten Nachmittag waren wir wieder auf dem Hundeplatz und nahmen das 1. Mal beim Rally Obedience teil. Das heißt, eigentlich haben wir nur zugeschaut, weil ich mich an das Scheinwerferlicht des Hundeplatzes, das sehr laute Rauschen der Bäume und an die anderen Menschen und Hunde gewöhnen sollte. War richtig aufregend.

 

16.01.15

Ralley Obedience: "Sag´mir, was auf dem Schild steht, dann sag´ ich Dir, was wir tuen müssen!"

 

 

 

  

Freitag: Rally Obedience-Tag. Jost ist mit mir zwei kleine Parcours je 2 x gelaufen. Habe mich dabei so auf Jost und die gestellten Aufgaben konzentrieren müssen, dass ich fast die anderen Teilnehmer vergessen hätte. Abschließend wurde ich wieder etwas von unserem Sportwart geknuddelt. Jost hat mich immer wieder gelobt und war wieder ganz stolz auf mich, oder besser auf mein Verhalten.

   

 

 

 

 

 

29.01.15

Heute fuhr Jost wieder mit mir zum Tierarzt, ohne dass ich dieses Sedir-Gel zurm Frühstück kredenzt bekommen habe. War deshalb auch bei klarem Verstand und ganz friedlich. Etwas spazieren gegangen, rein in die Praxis, dem bereits mich zu sich rufenden Personal gefolgt, Spritze rein, Leckerchen ins Maul, Stempel drauf (nicht auf mich, sondern auf den Impfpass), Geld raus, ins Auto rein und wieder nach Hause. Kurz und wirklich schmerzlos. Haben alle toll gemacht. Ich natürlich auch!  

 

31.01.15

Ist das peinlich für ein Raubtier: Nachdem mich Jost langsam mit Hühner-, Enten-, Puten- und Gänsehälsen und diversem Knorpel von Kalb und Rind an Härteres gewöhnen wollte, und ich jetzt bereits das 3. Mal einen richtigen kleinen Knochen mit Fleischanteilen bekommen habe, muss ich gestehen, dass mir die Technik des Zermalmens von Knochen fehlt oder im Laufe der letzten Jahre abhanden gekommen ist. Bevor Ihr auf die Idee kommt, dass mein Gebiss nicht ganz in Ordnung ist, sage ich Euch, dass dies von tierärztlicher Seite nicht bestätigt werden konnte. Seht es einfach positiv: Wenn ich irgend jemanden beißen sollte, fehlt mir eben das Know-how dessen Knochen zu brechen. Aber ich schwöre Euch, ich werde am Ball, oder besser am Knochen bleiben und lernen diese zu zerschreddern. Bis ich das gelernt habe, bekomme ich halt Calcium als Nahrungsergänzungsmittel von Jost.

 

01.02.15

Das mit dem Knochen ließ mir keine Ruhe und ging mir an die Ehre. Habe heute bereits bewiesen, dass ich ein richtiges Raubtier bin. Habe nämlich den heutigen Knochen innerhalb weniger Minuten zermalmt und aufgefressen. Ging doch schnell, oder? Mit ein bisschen gutem Willen und der richtigen Technik ist Alles zu schaffen.

 

20.02.15

Langsam hat Jost gemerkt, dass beim Training der Reiz anderer Hunde auf dem Hundeplatz höher ist als die trockenen Fische, die er mir sonst immer zur positiven Verstärkung gibt. Da muss er sich nun ein bisschen mehr ins Zeug legen und mir etwas attraktiveres anbieten. Vielleicht konzentriere ich mich dann besser auf ihn. Heute habe ich schon beim Weggehen von zu Hause gerochen, dass in seinem Futterbeutel keine trockenen Fische sind. Es roch irgendwie frischer, würziger oder kurz einfach besser. Auf dem Weg zum Hundeplatz habe ich bei jeder Begegnung eines Menschen oder eines Hundes ein kleines Stück Fleischwurst bekommen. Ob sich das mit meiner Rohfütterung vereinbaren lässt ist mir völlig egal, Hauptsache es schmeckt. Dafür habe ich mich dann auch beim Rally Obedience richtig ins Zeug gelegt. Abseits vom Parcours habe ich alle Sicht- und Hörzeichen befolgt und beim Ablaufen des Parcours war ich nur einmal abgelenkt, weil mir da ein anderer Hund etwas zu nah kam. Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich mir für Morgen bei dem Unterordnungs-Training vorgenommen habe, auch dort brav zu sein, vorausgesetzt ich bekomme da auch meine Fleischwurst ohne Knoblauch. 

 

21.02.15

Weil ich so brav bei den Übungen mitgemacht habe und auch die anderen Teilnehmer die Fortschritte bei meinem Verhalten gemerkt haben, war ich ganz stolz auf mich. OK, Jost hat auch einen kleinen Teil dazu beigetragen. Aber der Durchbruch war eigentlich die Fleischwurst.

 

22.02.15

Ein kleiner Schritt für die Menschheit - ein großer Schritt für mich, denn Jost hat mich das erste Mal als Trainer-Assistenz-Hund mit zu einem Kundentermin mitgenommen. Thema: Begegnungstraining mit Bo, einem fast dreijährigen Labrador-Aussi-Mix. Hat auch richtig Spaß gemacht, einmal zu sehen, was mein Herrchen beruflich macht. Sonst rieche ich bei der  Begrüßung immer nur die ganzen Hündinnen und Hunde, die ihren Geruch bei seiner Arbeit an seiner Hose verewigt haben. Andere kontrollieren das Handy des Partners. Das mache ich ja nun nicht bei Jost. Privatsphäre ist Privatsphäre! Aber die Hose muss ich dann doch kontrollieren. Zum Schluss durften Bo und ich uns beschnuppern. Die Chemie stimmte und deshalb wollten wir beide gleich spielen. Ging aber natürlich wieder nicht, weil wir uns auf einem öffentlichen Parkplatz befunden haben. Vielleicht können wir das später einmal woanders nachholen.

 

25.02.15

Versuchskaninchen bei der Magnetfeldtherapie

Jost hat heute wieder ein Paket bekommen. Hier und da denkt anscheinend doch jemand an ihn! Drin war eine flache Matte mit komischen Geräten. Er legte die Matte auf den Boden und hat diese mit einem kleinen Kasten und einem Kabel verbunden. Dann legte er sich auf die Matte und rief mich, ich solle doch neben ihm Platz machen. OK, dann ist eben Kuscheln angesagt. Von wegen Kuscheln, der lag einfach nur da und tat nichts. Aber bei mir tat sich ´was: Irgendwie wurde ich ruhiger und entspannter. Bald wäre ich eingenickt. Aber nach 15 Minuten war wieder Schluss, schade. Dann holte Jost einen Fotoapparat und machte mit mir wieder ein kleines Fotoshooting fürs Internet, so hat er wenigsten gesagt. Und links ist das Ergebnis.

 

27.03.15

Hallo, da bin ich wieder. Nach längerer Pause ist mein Sekretär wieder schreibfähig. Nach einem kleinen Unfall konnte Jost vorübergehend meine Worte nicht mehr "zu Papier bringen". Bei Spaziergängen muss ich zur Zeit noch rechts von ihm laufen, weil er links noch nicht genügend Kraft für seine vierbeinige Kampfmaschine aufbringen kann. Aber das klappt genau so gut wie links. Der Hundeplatz ist vorerst gestrichen, dafür darf ich mich aber zwischen den Felder und Wiesen austoben. Durch die physiotherapeutischen Übungen, die er selber mit sich durchführt, macht er gute und schnelle Fortschritte. Hoffe dass er bald wieder voll einsatzfähig ist, damit ich wieder richtig mit ihm toben kann.

 

19.04.15

Guten Abend, gute Nacht, gähn ... Ich habe meinem Sekretär gesagt, er soll ´mal berichten, was wir heute erlebt haben. Ich lege mich jetzt hin und mach´ Bubu.

  

Diego und sein Bruder Woody vor Spielbeginn

 

OK, dann schreibe ich halt etwas. Am letzten offenen Sonntag im Tierheim habe ich (Jost) den Bruder von Diego mit Frauchen und Herrchen getroffen. Im Tierheim hieß der Bruder von Diego noch Bishop. Seine neuen Besitzer nennen ihn heute Woody. Neuem gegenüber ist Woody vorsichtig. Er geht lieber zurück anstatt - wie Diego - vorzupreschen. Wir verabredeten uns für heute auf dem Hundeplatz um die Familie wieder etwas zusammen zu führen.

 

Zur Halbzeitpause

 

Schritt für Schritt gewöhnte ich Diego an die Halter von Woody und etwas später führten wir die beiden Brüder vorsorglich mit Maulkorb und Maulschlaufe zusammen. Sie sind sich nach 5 1/2 Jahren nicht direkt um den Hals gefallen, haben sich aber gegenseitig respektvoll behandelt. Leichte Spielansätze konnte man auch noch erkennen. Es war toll zu sehen, wie ähnlich sich die beiden sind. Und dies nicht nur äußerlich, wenn man von den stehenden und hängenden Ohren absieht. Das war sicherlich nicht das letzte Mal, dass wir uns auf dem Hundeplatz getroffen haben. Jetzt sehe ich nicht ein, warum ich noch weiter schreiben soll. Es ist ja schließlich Diegos Tagebuch. Demnächst wird er wieder selber schreiben. Was glaubt der den, ich bin doch nicht sein Sekretär!

 

Nach Verlängerung

 

06.05.15

Nicky bei der Lebensmittelkontrolle

Hallo, ich bin Nicky. Ich weiß, dass ich hier in Diegos Tagebuch nichts zu suchen habe. Aber was Diego nicht weiß: Ich prüfe immer, was er zu fressen bekommt. Und da es heute Geflügel gibt, mach´ ich mich lieber schnell auf die Socken. 

 

 

 

 

 

 

 

23.05.15

Habe heute mit meiner Freundin Fienchen das erste Mal Treibball trainiert. Wenn Ihr noch nichts von diesem Hundesport gehört habt, hier einige Infos: Ziel des Treibballtrainings ist es, dass wir Hunde auf Signal Gymnastikbälle in einer vorgegebenen Reihenfolge mit dem Körper in ein Tor oder um Hindernisse herum befördern. Diese Sportart ist sehr gelenkschonend und auch gut geeignet für Senioren und erkrankte Hunde (und erkrankte Hundehalter), bei denen es hauptsächlich um die geistige Auslastung sowie eine angemessene körperliche Bewegung geht. Herrchen hat mit einem Klicker gearbeitet und ich habe viel Fleischwurst bekommen. Ich durfte jeweils vor dem Ball, unter dem Ball und hinter dem Ball die Delikatesse aufnehmen und musste dabei immer den Ball etwas wegstupsen. Hat riesigen Spaß gemacht. Den dicken Ball hätte sich Jost allerdings sparen können, der war eigentlich nur immer im Weg. Aber wenn dieser Sport aus Fleischwurst essen besteht, finde ich diesen genial und kann ihn nur weiter empfehlen.

 

05.06.15

Waren wieder beim Rally Obedience. Gegenüber den anderen Teilnehmern war ich relativ entspannt und recht brav. Dann wollte mich das Frauchen einer anderen Hündin knuddeln. Nach exakter Vorgabe einiger Verhaltensregeln ließ ich dies dann auch bereitwillig zu. Dann kam einer von den beiden auf die blöde Idee, uns beide frei laufen zu lassen. Nach fünf Sekunden Kennenlernphase wollten wir gleich um die Wette rennen. Weil ich wusste, dass ich der schnellere und ein Gentleman bin, ließ ich der Hundedame einige Meter Vorsprung. Plötzlich sah ich nur noch Staub und Grashalme fliegen. War die schnell. Ich spurtete gleich hinterher. Und damit es nicht auffiel, habe ich den großen Bogen dieser Rennmaus etwas verkleinert und eine Abkürzung genommen. Als ich sie einholte - natürlich nur mittels dieser Abkürzung - sagte sie mir "kackdreist", dass dies ihr erster Gang war und sie noch einige mehr hätte. Ich solle aber nicht so enttäuscht über meine Leistungen sein, weil sie Gene eines Windhundes in sich trüge. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mich nie auf ein Wettrennen eingelassen und dafür die charmante Seite von Diego Berger de Picardie gezeigt. Aber wenn man Weibchen ein bisschen Freiheit gönnt ...

 

  

17.06.15

Nass macht schlank !

Heute war es sehr heiß draußen. Beim Spaziergang sind wird an einem Feld vorbei gelaufen, bei dem ein Wasserstrahl aus dem Boden geschossen kam. Das sah ganz komisch aus. Und als wenn Jost mir meinen Wunsch von den Augen ablas, machte er die Leine los und ließ mich dieses Phänomen untersuchen. Bei näherer Betrachtung kam es aus einem Schlauch heraus und landete ca. 25 Meter weiter auf dem Feld. Dort, wo der Wasserstrahl gelandet ist war es sehr erfrischend und ich sprang dem Strahl entgegen. Das Ende vom Lied: Am Schluss sah ich aus, wie ein nasser Bettvorleger, der auf vier Beinen stand. 

 

 

11.07.15

Regentonnenwasser mit proteinhaltigem Inhalt

Die letzten Tage war es so heiß, dass Jost mit mir nur noch kurze Spaziergänge durch unseren in der Nähe liegenden schattigen Park gegangen ist. Habe mich jedes Mal über das abgestandene Wasser aus der Regentonne gefreut. Es ist lauwarm und ist voll von Blütenstaub, lebenden Mückenlarven und toten Fliegen. Im Gegensatz zu Leitungswasser mit seinem Chlorgehalt, seinen Keimen und Mineralstoffen - einfach köstlich ! 

 

 

18.07.15

Jost war heute mit mir wieder beim Treibball-Training. Nach 6 Wochen Pause musste ich Jost erst einmal wieder erklären, dass es sich bei den zu treibenden Gegenständen nicht um Schafe, sondern um Gymnastikbälle handelt. Dann kam er auch noch auf die Idee, ein Foto zu machen. Ist das Bild peinlich. Wer auf dem Bild hat mehr Ähnlichkeit mit dem Glöckner von Notre Dame, Jost oder ich? Jetzt sagt nichts Falsches, sonst ...  

Der Glöckner von Notre Dame beim "Schafe" treiben

 

 

 

06.08.15

Seit einigen Wochen habe ich meinen eigenen Schreibtisch mit Gymnastikunterlage. Dieser dient verschiedenen Zwecken: Für Jost ist es eine Erleichterung, weil er mich ja ständig physiotherapeutisch behandelt.

 

Gibt es etwas Schöneres als Massage mit gleichzeitiger Wärmetherapie?

 

 

Und viel wichtiger ist er aber für mich: So kann ich genau sehen, wann er das Haus verlässt und wann er wiederkommt. Zudem habe ich eine Aussicht bis zum Stra...nd. Stopp, bis zur anderen Stra...ßenseite und kann mich dort immer über die aktuellen Vorgänge auf der Mercklinghausstraße informieren.

  

Da müsst Ihr schon etwas genauer hinsehen!

 

 

24.09.15

Heute ist Jost wie immer zu Patienten gefahren um diese zu therapieren oder zu trainieren. Doch Eines war heute anders. Jost kam nicht mehr zurück. Zuerst dachte ich, er würde wieder an einer Feier teilnehmen und später nach Hause kommen. Aber auch später kam er nicht. Ohne Kuscheleinheit musste ich in unserem Schlafzimmer einschlafen. Aber auch nächsten Morgen kam er nicht nach Hause. Den ganzen Tag habe ich gewartet ... und die nächsten Tage auch noch. Ich war mir aber sicher, dass etwas Ernsthaftes passiert sein musste, sonst hätte er mich nicht so lange alleine gelassen. Alleine war ich ja nicht. Seine Eltern haben sich um mich gekümmert. Aber das war nicht das Selbe.

 

29.09.15

Heute sind  seine Eltern mit mir längere Zeit Auto gefahren. Das machen die sonst nie. Dann haben wir auf einem Parkplatz gestanden und es setzte sich jemand ins Auto, den ich nicht kannte. Blutige Jacke, schiefe Nase und zwei Feilchen in den Farben Schwarz, Violett, Blau und Grün. Aber Stop, der kannte mich und hat sich riesig gefreut, mich zu sehen. Dann habe ich meine Nase richtig doll angestrengt und neben den Gerüchen von Anästhetikum und Desinfektionsmittel den mir bekannten Geruch von Jost erkannt. Aber so richtig freuen konnte ich mich gar nicht, weil ich so überrascht war, dass ich mein Herrchen wieder hatte. Erst zu Hause konnte ich ihm zeigen, wie lieb ich ihn habe. Am liebsten hätte ich ihm meinen Waschlappen quer durch sein Gesicht gezogen, das hat er aber immer wieder verhindert, weil ich seine erst heute wieder gerichtete Nase nicht berühren durfte. Damit demnächst nichts mehr bei seinen Rollerfahrten passiert, werde ich mich zukünftig als Sozius mit Helm auf der Sitzbank hinter ihm niederlassen und auf ihn aufpassen.

 

04.10.15

Gestern und heute hat der Club der Hundefreunde ein Agi-Turnier auf meinem Hundeplatz ausgerichtet. Jost hat bei diesen Turnieren immer ein Zelt aufgebaut und bietet zu Gunsten des Vereins Physiotherapie für die Vierbeiner an. Dieses Mal stand das Zelt nicht auf der großen Wiese wie sonst, sondern im eingezäunten Welpenauslauf. So hatte ich die Möglichkeit frei zu laufen, wenn Jost nicht gerade mit einem Patienten "fremd ging". Aus Sicherheitsgründen habe ich meinen Maulkorb getragen. Wenn sich jemand über den Zaun gebeugt und mir seine Hände entgegengestreckt hätte, hätte ich eine zusätzliche BARF-Mahlzeit genossen. Anfänglich hat mir Jost nicht zugetraut, dass ich an dem Nadelöhr (Eingang zur großen Wiese) vernünftig bin. Habe ihm aber das Gegenteil bewiesen. Alle waren begeistert von meinem Verhalten. Aber den anderen Hunden musste ich aber dennoch klar machen, dass diese Wiese mir gehört. Deswegen habe ich mit Extensions meine Rute verlängert und sie senkrecht gen Himmel gestreckt und bin regelmäßig am Zaun Patrouille gelaufen. Ansonsten habe ich Herrchen bei seiner Arbeit zugeschaut. Jetzt weiß ich auch, warum der immer nach anderen Hunden riecht, wenn er abends nach Hause kommt. Der geht gar nicht fremd. Das ist sein Job. Und das beruhigt mich. Auf uns beide ist eben Verlass.

  

Der Welpenauslauf ganz für mich alleine

 

12.10.15 

Auch ein Hundetrainer sollte sich gelegentlich weiterbilden. Und dies tat Jost auch heute. Für fünf Tage hat er uns in einem Hotel einquartiert und wir haben gemeinsam ein Seminar mit Hunden, die ein besonders aggressives Verhalten zeigen, besucht. Glaubt mir, die waren alle bösartiger als ich. Jost hat mir irgendwann im Hotel gesagt, dass ich gegen alle diese Hunde ein Waisenknabe wäre. Weiß zwar nicht, was ein Waisenknabe ist, der Stimmung nach war das aber von Jost ein Kompliment, über das ich mich sehr gefreut habe.

 

26.11.15

Jost und ich waren heute bei einer Kundin, die ihre Bindung zu ihrem Hund festigen wollte. Jost nahm mich zu dem Termin mit. Natürlich sind wir nicht mit dem Roller gefahren!. Ich lag seitlich bei ihr im Wohnzimmer auf dem Boden und bekam von Jost eine tolle Massage. Anschließend hat seine Kundin das Gleiche mit mir angestellt. Sie war ein bisschen zögerlich und unsicher. Habe mich aber ganz entspannt verhalten, um ihr mehr Sicherheit zu geben. Anschließend hat sie ihren Hund massiert. Wir saßen in sicherem Abstand und selbst ihr zeitweise aggressiver Hund hat uns beiden den Rücken zugekehrt und hat die Massage von seinem Frauchen genossen.

  

01.12.15

Ein Trainer-Kollege hat uns an eine hervorragende Hundetrainer-Ausbilderin vermittelt, die mich gerne als Probanden bei einem Seminar für aggressive Hunde haben wollte. Seit dem anderen Seminar vor einigen Wochen hat Jost aber sein Verhalten mir gegenüber so verändert, dass ich noch viel schneller und deutlicher erkennen kann, dass ich etwas tue, was er nicht möchte. Jost hat schon Angst gehabt, dass die Trainerin uns wieder nach Hause schickt, weil ich zu brav geworden bin. Obwohl die Fahrt in den Norden Deutschlands sehr lang war, habe ich es mir sehr gemütlich gemacht. Die Schaukelei hat mich an das Wiegen im Mutterleib zurück erinnert. Nur dass ich damals nicht die ganze Rückbank für mich hatte. 

 

02.12.15

Heute Morgen waren wir etwas früher in der Hundeschule. Ca. acht Hunde tollten auf einer eingezäunten Wiese. Jost fragte, ob er und ich ebenfalls an dem Treiben teilnehmen könnten. Die anderen Hunde kannten sich schon. Die hatten sich bereits drei Mal in diesem Jahr getroffen. Ich bin auf die Wiese gegangen und habe natürlich erst einmal die Lage gecheckt. Im Urzeigersinn bin ich mein neues Territorium abgegangen und habe überall mein "Fähnchen" abgesetzt - als Zeichen "gehört ab sofort mir!". Nach zwei kleinere Raufereien, die übrigens unter anderen Hunden auch vorkommen, hat es richtig Spaß gemacht. Ein süßes "Mädel" hat sich besonders um mich bemüht, mit Vorderkörper-Tiefstellung und Anbellen und so. Habe ihr klar gemacht, dass ich nicht so schnell zu haben bin und wir haben es langsam angehen lassen. Jost hat Videos gemacht, die er aber leider nicht ins Internet stellen möchte. Er war ganz begeistert.

 

03.12.15

Die letzten drei Tage stand ich jeweils bei zwei Übungen im Mittelpunkt. Habe die Herzen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer dahinschmelzen lassen. Bei einer Übung z.B. sollte eine Teilnehmerin meine Aggression auslösen, indem Sie sich langsam, bedrohlich und frontal an mich anschlich. Zuerst war ich mir sehr unsicher und schaute Sie gestresst an. Doch dann merkte ich, dass sie mich so lieb hat, dass sie die Ernsthaftigkeit nicht zu mir rüber bringen konnte, und ich schaute sie mit meinen großen dunklen Augen an und sagte ihr mit meinem Blick, dass sie mir doch gar keinen Stress machen will, also versuch es doch gar nicht erst, ich nehme Dir Dein Drohverhalten ehe nicht ab. Und sie brach tatsächlich diese Übung ab und sagte, dass sie mich von ihrer inneren Einstellung nicht bedrohen kann. Ich hätte meinen Charm ausgespielt und sie eingewickelt. Alle liebten mich und wollten mich mit nach Hause nehmen. War aber froh, dass Jost nicht auf die Angebote eingegangen ist und ich mit IHM wieder nach Hause fahren durfte. Wir haben beide viele Dinge dazu gelernt und es war unter dem Strich für uns beide eine tolle Zeit. 

 

19.12.15

Zum Abschluss des Jahres wurde heute noch einmal auf dem Hundeplatz gegrillt. Das Wetter war einfach super. Aber erst die Gerüche. Jost hat mich an einen Pfahl gebunden und ich habe mich dort abgelegt. Hunde und Menschen sind an mir vorbei gelaufen, ohne dass ich reagiert habe. Alle haben gedacht in hätte Valium eingeworfen und haben mich nicht mehr wieder erkannt. So langsam verstehe ich, dass ich mein aggressives Verhalten in einem Ordner abheften kann und diesen nicht mehr aus dem Regal nehmen muss. Fast alle haben mich lieb und tun mir nichts.

 

28.12.15

Gelegentlich knallt es draußen wieder. Ja ist denn schon wieder Sylvester. Jost hat seit einigen Monaten eine neue Technik bei mir angewandt, bei der ich mich recht schnell beruhige. Im Gegensatz zu früher, wo ich bei solchen Geräuschen hin und her und nur weglaufen wollte, bin ich jetzt abrufbar, setze und lege ich mich sogar hin und bleibe sogar liegen, obwohl die Geräusche noch zu hören sind. Es funktioniert nicht immer gleich gut, bin aber nicht mehr so gestresst wie früher. Jost nennt es Yin Tang, eine Technik aus dem Bereich der Akupressur, die eine beruhigende Wirkung auf mich hat. Diese Technik sollten auch einmal die Leute ausprobieren, die diese lauten Böller anzünden. Den Mittelfinger leicht auf den Böller legen, ganz leichten Druck ausüben und warten, bis es kracht. Dann sind auch diese Leute zukünftig viel ruhiger und haben eine andere Einstellung zu diesem blödsinnigen Brauch. Wer will schon Dämonen verjagen, die es gar nicht gibt.

 

01.01.16

Nach der wieder mal versauten Nacht (Dank der vielen Böller von Silvester) war heute Wandern angesagt. Unser Hundeverein hat zur Neujahrswanderung eingeladen. Wir trafen uns im Bibertal und haben uns erst einmal alle beschnuppert. Bis auf so einen kleinen Plüschhund (der war nicht größer als meine Rute, wenn ich sie aufrecht trage!) haben wir uns alle gut verstanden. Der Kleine kläffte aus seiner vollen (Hühner-)Brust und wenn ich ihn anguckte, verschwand er gleich hinter seinem Frauchen. Ich habe mich aber nicht von ihm provozieren lassen und blieb ruhig, eben wie ein ausgereifter, erwachsener, großer Rüde. Und weil wir uns alle gut verstanden haben und die Gruppe nicht so groß war, durfte ich mit Maulkorb, aber ohne Leine frei laufen. Nur wenn uns fremde Leute begegnet sind, wurde ich kurz angeleint. Hab´ ich ja auch Verständnis für: Denn, wie sieht es schon aus, wenn ein großer fast schwarzer Hund mit Maulkorb dafür aber ohne Leine auf Dich zugelaufen kommt. Ich glaube die hätten so laut geschrieen, dass alle Biber die Flucht aus dem Bibertal ergriffen hätten. Dann würde aus dem Bibertal nur noch ein normales Tal ohne Biber. Ist doch für die Region auch blöd, oder?  

 

03.01.16

Ich glaube, Jost will zu Beginn des Neuen Jahres einen guten Vorsatz umsetzen: Er möchte mir mehr vertrauen. Dies ist mir heute schon wieder aufgefallen. Jost hatte mit seinem Assistenten, also mit mir, einen Kundentermin. Er zeigte seinem Kunden mit meiner Hilfe eine bestimmte Technik der Leinenführung und der Kunde wollte es nachmachen. Allerdings ging er nicht zu seinem Hund, sondern kam zu mir. Jost übergab, natürlich mit der üblichen Warnung, die Leine und der fremde Onkel ging mit mir - oder besser - ich ging mit ihm und er versuchte die Übung mit mir. Das war das erste Mal, dass Jost die Leine an einen seiner Kunden weitergab. Ich war ganz stolz, dass er mir so viel Vertrauen entgegen gebracht hat, und habe ihn natürlich auch nicht enttäuscht. Ist das super oder ist das super?

 

09.01.16

Nach der langen Winterpause (ganze 3 Wochen) war es wieder so weit: Samstag - Hundeplatztag! Vor dem Training durfte ich - wie schon einige Male zuvor - mit zwei mir bekannten und wohl gesonnenen Hunden auf der großen Wiese herumtollen. Ich dachte, dass ich dann einige Minuten vor dem Training ´mal wieder den Platz verlassen müsste, damit die restlichen Fellnasen miteinander spielen können. Aber nein. Jost hat es bestimmt vergessen, mich "vom Platz zu stellen". So kam es, dass ein Hund nach dem anderen den Platz betrat und wir uns teils nur beschnuppert oder zusammen hintereinander her gelaufen sind, bis zu fünf Hunde. Hat richtig Spaß gemacht. Dann sah ich sie: Ein hübsches Mädel, kurzes, schwarzes, glänzendes Fell, schüchtern und wohlriechend. Wau, ich war geflasht. Als ich ihr meinen "Arm über ihre Schulter legen" wollte, schien ihr das zu aufdringlich und sie fletschte die Zähne und knurrte mich an. Meine Reifen drehten durch, so habe ich beschleunigt und brachte mich so schnell in Sicherheit. Aber das hat meine Freude nicht getrübt, dass ich nach über einem Jahr vor dem Training mit den anderen Hunden spielen durfte. Aber natürlich wieder mit Maulkorb. Aber ist ok so.

 

23.01.16

Heute war genau so ein interessanter Tag wie der 08.06.15. Wenn Ihr keine Aufzeichnung über diesen Tag findet, wisst Ihr, wie interessant der Tag heute war! 

 

06.02.16

Während Jost samstags alle drei Wochen auf dem Hundeplatz die Junghunde trainierte, durfte ich nie mit, weil ich dann in der Kälte eine Stunde lang hätte auf einer Matte liegen müssen und nicht herumlaufen dürfen. Heute nahm er mich aber mit. Ich fragte mich noch, ob er sich im Datum geirrt hätte oder er heute keine Junghunde trainieren müsste. Ich spielte erst wieder mit meinen vielen neuen Freunden auf der großen Wiese, dann leinte mich Jost an und wir gingen zum kleinen Auslauf zu den Junghunden. Welch eine Ehre für mich. Er vertraute mir so, dass er das Training mit mir zusammen durchführen wollte. Oh ha ...! Jetzt musste ich mich anstrengen. Zuerst hat er natürlich wieder verraten, warum ich einen Maulkorb trage und dass ich früher `mal "kleine" Probleme mit fremden Menschen und Hunden hatte. Die Teilnehmer reagieren wahrscheinlich etwas nervös, wenn plötzlich ein erwachsener großer Hund mit Maulkorb zum Hundetraining erscheint. Aber ich habe mich gegenüber dieser pubertierenden Rasselbande ganz cool und souverän benommen, habe mich von niemandem provozieren lassen und mit Jost die Übungen vorgeführt, die die Teilnehmer trainieren sollten. Hat richtig Spaß gemacht als Trainer-Assistent mit meinem Herrchen zu arbeiten.

 

11.02.16

Jost führt gelegentlich im Auftrag von diversen Tierschutzvereinen Vorkontrollen durch. Bei Vorkontrollen ist es Josts Aufgabe, sich über die neuen Lebensumstände des Tieres zu informieren, einen persönlichen Kontakt zu den Menschen aufzunehmen, die sich künftig um ein Tier kümmern möchten und abzuwägen, ob eine Zusammenführung beider erfolgversprechend ist. Heute hat er mich das erste Mal mit zu solch einer Vorkontrolle mitgenommen. Habe mich vorbildlich benommen und mich von dem fremden Onkel kraulen lassen. Seine Frau hatte wegen meines Maulkorbes und meiner Vorgeschichte Angst vor mir. Die habe ich dann auch in Ruhe gelassen. Hauptsache es knuddelt mich einer. Wer ist mir doch völlig egal. 

 

12.02.16

Freitag: Ralley Obendience-Tag. Ein Vereinsmitglied kam heute ohne seinen Hund zum Training, weil er Bereitschaft hatte. Jost hat ihm angeboten, mit mir den Parkour zu durchlaufen. Der lächelte erst und nahm Jost nicht ernst. Doch Jost machte ihm klar, dass er es ernst meint. So gab mir der Mann erst einige Stücke Frolic zur Bestechung, dann ging er ein paar Meter mit mir auf die Wiese, gab mir einige Kommandos und ging dann wieder mit mir zurück zu Jost. Ich war ganz brav. Mit flauem Magen ging der Mann dann mit mir auf den Parkour. Der hat sich gar nicht richtig auf die gestellten Aufgaben konzentrieren können, weil er jederzeit mit einem Angriff von mir gerechnet hat. Wie kommt der darauf, ich bin doch nicht mehr böse, oder? Dann kam eine Übung, bei der er mich absitzen lassen und ca. 4 Meter vor gehen, sich umdrehen und wieder zu mir gehen sollte. Da ruft der doch glatt zu Jost ´rüber: "Das mach' ich aber jetzt lieber nicht!" Und Jost sagte ihm, dass er es ruhig machen könnte. Das schlimmste, was passieren könnte, wäre, dass ich weglaufen würde. Dann würde ich aber niemanden anfallen, sondern zu ihm laufen. Er machte diese Übung dann auch, und was habe ich gemacht? Ich bin natürlich sitzen geblieben, wie ich es bei dieser Übung auch bei Jost mache. Jost war stolz auf mich, ich war stolz, dass Jost auf mich stolz war und der fremde Mann war auch stolz auf sich, dass er den Mut hatte, mit mir zu laufen.

 

14.02.16

Manchmal passiert mehrere Tage nichts Interessantes, was sich lohnt hier in mein Tagebuch zu schreiben. Dann aber wieder rappelt es nur so von neuen Eindrücken. Heute will ich Euch von meinem ERSTEN MAL erzählen. Das war nämlich heute: Bei unserem Spaziergang kam uns ein Ehepaar mit einem kleinen Hund entgegen. Diese wollten in den selben Feldweg einbiegen, in den auch wir gehen wollten. Der Mann fragte Jost, ob wir gemeinsam gehen könnten. Jost willigte sofort ein und so gingen wir entspannt nebeneinander her. Nach ein paar Metern wollte der Mann seinen kleinen Hund frei laufen lassen, und fragte Jost, ob er damit einverstanden wäre. Jost hatte nichts dagegen und so lief die kleine Fellnase teilweise sehr nah vor mir her. Jost merkte, dass ich völlig entspannt war und nicht im Entferntesten daran dachte, die kleine Maus anzugreifen. Er sagte den Beiden, dass ich nach meiner Zeit im Tierheim noch nie ohne Maulkorb mit einem fremden Hund Kontakt gehabt hätte und fragte, ob sie damit einverstanden wären, mich frei laufen zu lassen. Sie willigten ebenfalls ein und so liefen wir beide frei umher, ohne uns um den anderen zu kümmern.

 

Mein ERSTES MAL

 

Irgendwann beschnupperten wir uns und gingen weiter. Ich rannte über das Feld, so wie ich es zu gerne tue und plötzlich folgte mit die kleine Maus und wir rannten gemeinsam über das Feld und hatten richtig Spaß. Leider musste mich Jost dann wieder an die Leine nehmen, weil von weitem ein anderer Hund kam. Vor lauter Aufregung habe ich ganz vergessen, nach dem Namen meiner neuen Freundin zu fragen. War zwar nur ein kurzes Vergnügen, aber schön war es. So ist das nun ´mal beim ERSTEN MAL.

 

07.03.16

Ich habe heute meine neue Freundin wieder getroffen. Als Erstes habe ich sie nach ihrem Namen gefragt. Sally heißt sie. Ich habe ihr gesagt, dass sie einen schönen Namen hat, dass sie wunderschöne Ohren hat und dass ich sie ganz doll lieb habe. Dann ist noch ein junger Rüde zu uns gestoßen, Dexter. Er ist eine Deutsche Dogge mit ´was anderem drin. Den habe ich erst einmal angeknurrt. Nach ein paar Metern hat mich Jost aber dann doch frei laufen lassen, und wir sind alle drei aufs Feld gerannt. Haben uns richtig austoben dürfen. Aber jedes mal, wenn Dexter mit meiner kleinen Maus Sally zu grob wurde, habe ich sie beschützt, indem ich zwischen die beiden gelaufen bin und Dexter blockiert habe. So geht es ja nicht. Meine kleine Freundin nerven. Haben uns aber super miteinander verstanden. Habe auch gemerkt, dass sich unsere drei Besitzer über unser Verhalten gefreut haben.

 

19.03.16

Konnte mich heute richtig in Szene setzen. Jost hat mich beim Training der Junghunde auf dem Hundeplatz wieder als Assistent eingesetzt. Thema heute: Körbchen- oder Deckentraining. Da dieses Training normalerweise mehrere Wochen Zeit in Anspruch nimmt, die Teilnehmer dieser Gruppe aber ständig wechseln, hat Jost das Training in kleine Schritte aufgeteilt und mit mir im Zeitraffer vorgeführt. Ca. 15 - 20 Mensch-Hund-Teams waren anwesend und standen im Halbkreis um uns herum. Zwischendurch fragte noch eine Teilnehmerin etwas über das Markieren beim Gassi gehen. Jost antwortete ihr, dass er die Plätze zum Urin- und Kotlösen aussucht und mir diesen Platz solange zur Verfügung stellt, sodass ich mich nur lösen und nicht markieren kann. Während des Deckentrainings blieb ich auch vorbildlich auf meiner Unterlage liegen, egal welchen Reiz sich Jost auch ausgedacht hat.  Variierender Abstand zur Decke, Laufrichtung, Laufgeschwindigkeit, mit und ohne Sichtkontakt, diverse Geräusche mit mehreren Gabeln, Tassen und das Rasseln einer Kette. War ja alles ganz toll. Nur musste ich ´mal dringend meinen eigenen Geschäften nachgehen. Erst einen Haufen, .. gleich danach nur einen Meter weiter einen zweiten Haufen. Jost drohte mir mit einem lebenslänglichen Platzverbot oder wieder mit dem Tierheim. Alles lachte uns an oder aus. Jost nahm - wie es laut Platzordnung vorgeschrieben - einen Kotbeutel, sammelte meine Hinterlassenschaften vor der versammelten Gruppe auf und legte sie zur Seite. Statt mich einmal zu fragen, ob ich meine Geschäfte beendet habe, wollte er gleich wieder weiter trainieren. Da hat er aber die Rechnung ohne seinen Diego gemacht. Da ich noch Druck verspürte ging ich breitbeinig weiter und legte noch zwei Eierchen in den Rasen. Die Stimmung wurde immer heiterer, Jost wurde schon rot und ging in gebückter Haltung hinter mir her, um meine ... Ihr wisst schon ... aufzulesen. Mich hat der ganze Trubel nicht gestört. Und das Gerücht, dass Jost mir die Stellen vorschreibt, wo ich meinen Ballast abwerfen kann, habe ich wohl deutlich und für Jedermann sichtbar widerlegt. Bin ganz stolz auf mich.

 

Nach diesem Training war ich noch mit Jost im großen Auslauf, der durch einen Zaun mit einem kleinen Auslauf getrennt ist, auf dem noch ein einziger Welpe mit seinem Herrchen fristete. Er steckte sein kleines Schnäuzchen durch den Zaun zu mir und wir beschnupperten uns. Ich zeigte ihm durch meine Vorderkörper-Tiefstellung, dass ich jetzt gerne mit ihm spielen würde. Obwohl ich keinen Maulkorb auf hatte, ließ mich Jost zu dem kleinen Welpen. Ich zeigte ihm erst einmal, wie schnell ich laufen kann und er wollte mir folgen, schaffte es aber nicht und nahm immer eine Abkürzung. Wir beschnupperten uns gegenseitig und wenn ich mit Höchstgeschwindigkeit auf ihn zu rannte, machte ich kurz vor ihm einen kleinen Schlenker zur Seite, um ihn nicht zu berühren oder zu verletzen. Dieses Verhalten war ich Jost schuldig, weil ich ihn vorher beim Gruppentraining voll blamiert habe.

 

20.03.16

Jost ist mit mir heute zu einem anderen Hundeplatz gegangen. Er hat sich richtig darauf gefreut. Dann habe ich mir gesagt, ok, dann freue ich mich jetzt auch: "Freu!" Zuerst wurde die ganze Wiese für mich geräumt. Alle Hunde mussten wegen mir die Wiese verlassen. Das fing ja gut an. Weiß doch gleich jeder, dass ich etwas Besonderes bin. Nachdem ich einmal um die ganze Wiese gelaufen bin und sie für mich beansprucht habe (Ihr wisst schon wie), kam ein Hund nach dem anderen dazu. Ohne Aggression und Stress haben wir uns gegenseitig beschnuppert und sind mit Höchstgeschwindigkeit - wie ich sie liebe - über den Platz gesaust. Ein junger Rüde und ich zeigten gegenseitiges Dominanzverhalten. Der junge Spund wollte es nicht begreifen, dass er mir unterstellt sein sollte. Wir spulten fast das ganze Repertoire an Dominanzverhalten ab, was uns einfiel. Von Aufreiten, Aufdrängen, Pfote und Kopf auflegen, gegenseitiges Verfolgen über Blockieren des Weges bis hin zum Kreuzen der Laufrichtung. Aber alles lief friedlich zwischen uns ab. Dann wollte Jost leider gehen, aber nicht nach Hause, sondern Kuchen essen und dazu eine Tasse Kaffee trinken. Und wer ging wieder leer aus? Ich natürlich. Ich durfte wieder nur Kranenberger Wasser schlürfen. Aber die Sache mit dem Rüden war noch nicht geklärt. Ein Grund wieder zu diesem Platz zu gehen. Irgendwie werde ich Jost schon beeinflussen, dass er hier noch einmal mit mir hingeht.

 

04.04.16

Heute war der erste Termin zur Vorbereitung auf die Begleithundeprüfung. Hat super geklappt. Eigentlich brauche ich diese Vorbereitung ja gar nicht. Jost kann doch gleich die Prüfung mit mir ablegen. Ich bin doch so brav.

 

09.04.16

Alle drei Wochen hat Jost Dienst bei der Junghundeausbildung. Morgens hat er noch überlegt, ob er mich vor dem Training mit den anderen Junghunden zusammen spielen lässt. Er machte sich bei der Überlegung mehr Sorgen um mein Wohlbefinden, da ich einen Maulkorb tragen würde und den anderen Hunden nichts passieren könnte. Mit den "erwachsenen" Hunden spiele ich ja schon seit einigen Monaten. Die kennen auch das Sozialverhalten zwischen Hunden und es passierte auch nie etwas. Die Junghunden - ich finde den Begriff blöd und bezeichne die lieber als Rabauken oder Rüpel - sollen aber dieses Verhalten erst noch lernen. Deswegen hatte Jost Angst, dass mich einer dieser pubertierenden Fellnasen angreifen würde. Bis auf eine kleine Rauferei, wie sie öfters zwischen Hunden vorkommt, ging aber alles gut. Beim Training selber hat Jost die Handhabung einer Schleppleine erläutert und den richtigen Einsatz einer Reizangel erklärt. Jost wollte dann demonstrieren, wie man seinen Hund erst richtig heiß auf das angehängte Objekt machen muss, damit der Hund auch Spaß daran hat. Diese Trainingseinheit konnte Jost bei mir gleich überspringen, da ich meinen Kong am Ende der Leine erkannt haben. Ich weiß aber nicht, warum dieses Ding Reizangel heißt. Mich hat dieses  Ding nicht gereizt. Ich bin aber trotzdem wie um mein Leben meinem Kong hinterher gerannt. Dann war ich schneller als Jost und habe den Kong erwischt. Bin mir aber nicht sicher, ob er mich nicht doch gewinnen ließ. Dann eine kleine Pause und anschließend wieder in die andere Richtung. Da ich bei dieser Übung keinen Maulkorb auf hatte (den muss Jost vergessen haben) und nicht angeleint war, waren alle Teilnehmer mit Ihren Hunde auf der anderen Seite des eingezäunten Freilaufes. Nach wenigen Runden nahm die Länge meiner Zunge um ein Vielfaches zu. Es fühlte sich an, als würde ich sie zwischen meinen Hinterläufen hinter mir her ziehen. Hat ´mal wieder richtig Spaß gemacht.

 

16.04.16

Arbeitseinsatz auf dem Hundeplatz. Wegen des Morgen stattfindenden Agility-Turniers wurde heute der Platz auf Vordermann gebracht. Jost hat mich bei diesen Einsätzen in der Vergangenheit nie mit zum Platz genommen, weil er mich nicht irgendwo anbinden und alleine lassen wollte. Heute hat er das Vertrauen aufgebracht, mich mitgenommen und mitten im Geschehen angebunden. Früher hätte ich jeden, der in meine Nähe gekommen wäre angepöbelt. Heute dagegen war Kuscheln angesagt. Leute, die noch vor einem halben Jahr richtig Angst vor mir hatte, haben mit mir gekuschelt. Ich kam mir vor wie "everybody´s darling". Habe auch so getan, als würde ich von meinem Herrchen nie Kuscheleinheiten bekommen. Das hat richtig gut funktioniert.

 

08.05.16

Beim Spaziergang durch die Stadt kam Jost plötzlich auf die Idee, mich auf dem Wikinger-Schiff absitzen und für ein Bild posen zu lassen. War das peinlich! Und jetzt stellt er das Bild auch noch in so ein Netz. Hat Jost schon einmal vom Recht am eigenen Bild gehört? Oder vom Persönlichkeitsrecht? Es besagt, dass jeder Hund grundsätzlich selbst darüber bestimmen darf, ob und in welchem Zusammenhang Bilder von ihm veröffentlicht werden dürfen. Aber jetzt ist es ehe zu spät. Ihr wisst ja: Was einmal in diesem Netzt ist, bleibt immer in diesem Netz.

 
Ich als Wikinger auf einem Schaukelpferd - ist das peinlich!

 

08.06.16

Bei einer Übung auf dem Hundeplatz sollte die Ablage trainiert werden. Jost wies mir einen Platz auf dem Rasen zu, auf dem ich liegen bleiben sollte, bis er wieder zu mir kommt oder mich zum kommen auffordert. Ohne anzugeben: Für mich eine der leichtesten Übungen, zumal ich im Schatten lag. Es vergingen einige Minuten und plötzlich donnerte es. Früher wäre ich vor lauter Panik nur weggelaufen. Egal wohin, Hauptsache ich wäre dem Geräusch entflohen. Heute habe ich mich entschlossen, die Übung zu beenden, obwohl ich wusste, dass ich dort liegen bleiben sollte. Stattdessen ging ich in Josts Richtung, um bei ihm Schutz zu suchen. Er kam mir entgegen, brachte mich wieder auf den Platz, an dem ich vorher lag, kniete sich hin, drückte mir seinen Finger ins Gesicht (Yin Tang = beruhigende Technik aus der Akupressur) und war gar nicht enttäuscht, dass ich meinen Platz verlassen hatte sondern freute sich riesig darüber, dass ich zu ihm gekommen bin.

 

22.06.16

"Sich aufwärmen ist das Zweitgrößte !"

Jost sagte mir schon nach dem Aufstehen, dass ich heute eine große Überraschung erleben würde. Später sind wir in Richtung des Hundeplatzes gegangen. Das war bestimmt nicht die Überraschung. Vor dem Hundeplatz standen dann zwei junge Mädchen, die mich anschauten. Ich schaute natürlich zurück. Das mache ich bei allen Mädchen so.

 

 

 

"Im Wasser planschen und sich abkühlen ist das Größte !"

Aber dann habe ich jemanden gesehen, den ich hier an diesem Ort nicht erwartet hätte: Die Tochter meines ehemaligen Besitzers. Die Freude war wieder groß. Mit ihr, einer mitgebrachten Freundin und Jost spielten wir dann bis zum Umfallen mit Wasser und einer Reizangel. Das war ein blödes Spiel. Ein an einem Strick gebundener Kong flog immer im Kreis, und ich sollte hinterher rennen. So blöd es war, ich hab´ s getan und es hat riesigen Spaß gemacht. War eine tolle Überraschung, die man auch bald wiederholen könnte.

 

26.06.16

Heute haben Jost und ich Bekannte in Garfeln besucht. Die hatten sogar einen Swimmingpool im Garten. Bevor ich aber in solch einen Pool springe, prüfe ich erst einmal die Qualität des Wassers auf Bakterien und den richtigen Chlorgehalt. Wie immer wollte ich am Beckenrand eine Probe nehmen, da habe ich gemerkt, dass ich dort nicht mehr stehen kann und plumps . . . war ich drin. Wie ihr auf dem Bild seht, konnte ich meine Hinterläufe noch etwas in der Luft behalten, aber die Schwerkraft sorgte auch bei denen dafür, dass auch diese bald im kühlen Nass versanken.

 

Das Springen vom Beckerand ist verboten!

 

Ich hätte natürlich lieber vorher geduscht (wie in einem Freibad üblich) und mich langsam abgekühlt. Und vom Beckenrand springen geht gar nicht! Aber es war sehr erfrischend. Anschließend sind wir dann noch zum Boker Kanal gefahren. Das war wie in einem Pool mit Gegenstromanlage. Fremde Hund haben wir dort auch getroffen. Beim Tauchen habe ich dann viele Baumwurzeln und Steine entdeckt, die ich gerne Jost gebracht und gezeigt hätte. Ging ´mal wieder nicht . . . Maulkorb - ich weiß wegen meiner Zähne.

 

Badespaß am Boker Kanal

 

24.07.16

Bei richtig sonnigem Wetter waren wir zwei auf einem befreundeten Hundeplatz. Nach langem Chillen und gelegentlichem Spielen mit den anderen Hunden, band mich Jost dann mit der Leine an einen Baum und ging weg. Einen Augenblick später stand er dann neben mir und ca. 6 Meter vor uns stand ein kräftiger Mann, der sich anschließend in vorgebeugter Haltung mit ausgestreckten Armen und sehr langsam auf uns zu bewegte. Genau so, wie ich es (nicht!) mag! Ich glaub` ich spinne! Der wollte uns bedrohen. Der kam immer näher und ca. 1,5 m vor uns wurde es mir dann zu bunt. Ich ging auf ihn los. Genauer gesagt, ich wollte auf ihn losgehen. Die kurze Leine (damit ich mich nicht am Hals verletze) und der Maulkorb haben Schlimmeres verhindert. Der Mann wich nicht zurück, stattdessen hat mich Jost daran gehindert, ihn weiter anzugreifen. Dann nahm er das Zepter in die Hand und drängte den gefährlichen Mann wieder 6 Meter zurück. Boah, war das mutig von Jost. Der war viel kräftiger als Jost und Jost hat ihn einfach rückwärts von uns weg geschoben. Richtig mutig, habe ich ihm gar nicht zugetraut, chapeau!

 

Daraufhin kam der böse Mann wieder auf uns zu. Zu Josts Überraschung habe ich ihn angeschaut und ihn so "gefragt", ob er sich wieder um den Mann kümmert oder ob ich uns aus dieser bedrohlichen Lage befreien soll. Mit einem Geräusch, dass ich von ihm kannte, machte er mir klar, dass er die Situation im Griff hat und ich nahm mich zurück. Der Mann kam dann noch näher und war schon fast an meinen Kopf. Ich war sehr aufgeregt aber gleichzeitig wusste ich, dass Jost die Situation beherrschte und ich entspannte mich. Ich ging einen Schritt auf den Mann zu und zeigte ihm ganz deutlich, dass er mich jetzt streicheln durfte. Der hat auch gar keine Angst vor mir gehabt. Er streichelte mich und wir waren glücklich. Dann das gleiche "Spielchen" mit einer Frau. Auch diese habe ich zunächst attackiert wollen und mich später aber auch von ihr streicheln lassen.

 

Daraus haben wir alle etwas gelernt: Niemand will dem Anderen etwas Böses und die Lage war sehr entspannt. Später hat Jost mir erklärt, dass beide Situationen von ihm geplant und gestellt waren, um mir abzugewöhnen, bei bedrohlichen Situationen fremde Menschen zu attackieren und er sich selber um solche Situationen kümmern kann. Hat super funktioniert.

 

24.08.16

Wer ist schon zu Lebzeiten auf einer Briefmarke verewigt?

Psssst, es ist 06:45 Uhr, nicht Jost verraten: Heute ist mein Geburtstag. Ob er daran denkt? Ich wusste es, das er das tut. Hat mir bei der morgendlichen Begrüßung schon gratuliert und mir eine Überraschung versprochen aber nicht verraten. Ob ich einen dicken Kauknochen bekomme? Bis nachmittags ist Nichts passiert. Aber dann sind wir mit dem Auto zur Lippe gefahren und ich durfte dort wieder meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen: Umdekorieren der großen Steine in der Nähe des Ufers. War richtig anstrengend bei dem warmen Wetter. Ich sah anschließend aus wie ein begossener Pudel. Die Idee war besser als der größte Kauknochen. Anschließend zeigte er mir eine Briefmarke, die er zum Gedenken an mich gefertigt hat. Normalerweise wird man so nach dem Ableben gewürdigt. Jost hat mir diese Ehre aber bereits zu Lebzeiten erwiesen.

 

26.08.16

Heute bin ich nun seit 2 Jahren in meinem Rudel. Manchmal denke ich noch an die Zeit im Tierheim zurück. Tagein tagaus, immer das gleiche: Gebell von den anderen Hunden, Gefauche beim Vorbeilaufen bei den Katzen, Kälte im Winter, Nässe und Feuchtigkeit bei Regen, kurze Gassigänge und Spieleinlagen und die Angst der Besucher, wenn sie mich sahen oder hörten. Und da war noch die Einsamkeit. Ich bin ein Hund und lebe normalerweise in einem Rudel. Die Einsamkeit war das Schlimmste von allem. Ich bin so froh, dass ich nun eine Familie habe, die mich liebt, mich so akzeptiert, wie ich bin und nicht aufgeben, mir soziales Verhalten beizubringen, um mich mit anderen Hunden und Menschen zu verstehen. Wenn ich heute mein Verhalten mit dem vergleiche, was ich mir früher geleistet habe. Zu Anfang hatten fast alle Vereinsmitglieder im Hundeverein Angst vor mir. Jetzt glaube ich, dass mich fast alle lieben und gerne mit mir knuddeln. Kann es eine bessere Entwicklung in einem Hundeleben geben?

 

05.09.16

Jost ist mit mir außer der Reihe zum Hundeplatz gefahren. Er wollte irgendeine Werbung aufhängen. Als er fertig war, habe ich erst bemerkt, dass einer der beiden Hunde ich selber war. Wo Botox bei mir im Gesicht nichts geholfen hat wurde schließlich mit PhotoShop nachgeholfen. Super Sache, was Ihr Menschen für Erfindungen macht. Jetzt muss ich jedes Mal, wenn ich auf dem Platz bin, meine eigene Schnauze ansehen.

 

 

 

 

 

Heidi würde sagen: "Ich habe heute ein Foto für Dich!"

 

Übringens: Links auf dem Bild ist meine Vorgängerin "Georga". Sie ist 17 Jahre und 4 Monate alt geworden. So alt möchte ich auch ´mal werden. Dank der Erfindungen werde ich dann mit dem Rollator über den Hundeplatz fegen und alles umfahren, was mir im Wege steht. Freue mich jetzt schon drauf. Vielleicht geht es mir dann sogar besser als Jost. Sehe mich schon mit einer Rikscha im Schlepp, auf der ich Jost hinter mir her ziehe. Super Vorstellung.

 

23.10.16

Das war wieder ein aufregender Tag. Jost ist schon sehr früh - um 05:00 Uhr - aufgestanden und hat mich noch ein bisschen schlummern lassen. Da wusste ich schon, irgendetwas ist heute wieder im Busch. Der würde sonst nie mitten in der Nacht aufstehen. Aber bei irgendwelchen Veranstaltungen sind wir uns einig: Zuerst macht Jost die Organisation und die Arbeit und ich delegiere und später bei der Veranstaltung selber macht Jost wieder die Arbeit und ich darf "Posen". Ich finde, dass ist eine gute Arbeitsteilung. Nachdem ich dann erfahren habe, dass es ins Freibad CabrioLi geht, habe ich nur gedacht:

 

Chillen und W A S S E R - YES

 

Hundschwimmen mit Physiotherapie im CabrioLi

Den Rest des Tages werde ich dann als Anschauungsobjekt assistieren und mich den ganzen Tag im Umkleidebereich des Freibades (draußen hätte es ja regnen und kalt sein können!) durchkneten lassen, damit die Besucher sehen, wie gut es mir dabei geht. Von wegen: Ein einziges Mal lag ich auf der Gymnastikmatte. Dann kamen ständig Besucher mit Ihren Hunden und dann wurden diese behandelt. Das ist mein Job. OK, habe ich mir gedacht, wirst schon sehen, was du davon hast. Dann hörte ich den ganzen Tag das Gebell, Geplansche und Geschrei der anderen Hunde, die sich im Außenbecken tummeln konnten. Jetzt dachte ich wenigsten, dass Jost auch mit mir dort hingehen würde. Ich und Wasser passen genau so zusammen wie Pott und Deckel. Aber nein, Jost wollte mich nicht mit den anderen Hunden ins Wasser lassen.

 

Er nahm an, dass die Leute dann wegen meiner Größe und des Maulkorbes Angst bekommen und das Becken fluchtartig verlassen würden. Deshalb wartete er, bis es gegen Ende nur noch drei Hunde waren und ging dann mit mir zum Becken. Dann die Enttäuschung: Dort waren weder Wurzeln noch Steine im Becken. Das ist nichts für mich, ist doch voll langweilig. Bin `mal kurz hinein gesprungen, dann aber gleich wieder ans Ufer geschwommen. Ich brauche halt etwas zum Herumwühlen. Aber die anderen Hunde hatten richtig Spaß. So, als Rache wollte ich dann mit unserer Tageseinnahme durchbrennen und mir viele große Knochen kaufen. Jost hat mich natürlich erwischt und spendete das Geld in voller Höhe ohne Abzug dem Tierheim. Das Geld meinen ehemaligen Tierheimkollegen zu spenden war nicht schlecht, aber ein großer Haufen Knochen für schlechte Zeiten wäre besser gewesen. Ohne Knochen, ohne Wurzeln ohne Steine und ohne stundenlange Massage sind wir dann wieder nach Hause gefahren. Und weil Jost von dem Tag begeistert war, war ich es dann ihm zu Liebe auch.

 

30.10.16

Als Nachtrag zum 18.06.16 sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass Jost und ich an diesem Tag zur Abnahme der Begleithundeprüfung angetreten sind. Dies war wahrscheinlich die kürzeste Prüfung in der Vereinsgeschichte, weil ich bereits beim Ablesen des Identifizierungschips an der Hand des Leistungsrichters hing. Und ich hing nicht nur, sondern ein Eckzahn stanzte ihm auch noch ein kleines Loch in die Hand. Warum beugt sich der Kerl auch nur so bedrohlich von oben zu mir herunter und führt gleichzeitig mit der rechten Hand das Lesegerät in Richtung meines Halses. Genau so liebe ich es, von fremden Menschen begrüßt zu werden. Das hatte zwei Vorteile: Ich wusste bereits jetzt schon, dass wir diese Prüfung nicht bestanden hatten und Jost musste mit mir nicht mehr das Prüfungsschema laufen und an der Stadtprüfung teilnehmen. Und das Ganze war mir so peinlich, dass ich es am 18.06.16 "vergessen" hatte, ins Tagebuch einzutragen ... ich Schlitzohr.

 

Aber heute sind wir noch einmal angetreten. Geht ja gar nicht, dass ich als Trainer-Assistent-Hund nicht alltagstauglich im Gehorsam stehen soll. Jost hatte morgens noch ein schlechtes Gefühl, weil ich in den letzten Tagen bei manchen Übungen nicht so reagiert habe, wie ich eigentlich sollte. Aber ich habe ihm bewiesen, dass er sich immer auf mich verlassen kann. Mit wenigen Punktabzügen (u.a. wegen Grasfressens) mussten wir leben, aber unter dem Strich waren wir klasse. Übrigens auf der Urkunde steht "disqualifiziert wegen Wesensmangel". Das ist wie bei einem Arbeitszeugnis: "Er war stets bemüht" - hat es aber doch nicht auf die Reihe bekommen. Bei mir ist es schlicht und ergreifend eine andere Formulierung für "Der hat mich gebissen!".

 

Leistungs-Urkunde von Diego Wunner

 

 

17.11.16

Zwar 17 Tage zu spät, aber heute bin ich in der Zeitung "Der Patriot" ganz groß heraus gekommen. Ok, nicht ganz so groß ... gut, eigentlich nicht groß ... um ehrlich zu sein, bin ich persönlich gar nicht erwähnt worden.

 

17.11.16 "Der Patriot"

Ich habe dem Chefredaktuer vor Erscheinen dieses Artikels noch großzügig angeboten, gegen eine angemessene Vergütung - versteht sich -, ein großes Bild von mir zu diesem Artikel zu veröffentlichen. Dies hat er dankend abgelehnt. Nach weiteren zähen Verhandlungen bot ich ihm dann an, dass er von Jost Geld bekäme, damit ich vielleicht mit einem kleinen Bildchen erscheine. Darufhin wurde das Gespräch verkürzt. Genauer gesagt wurde es abgebrochen und wir wurden gebeten die Räumlichkeiten zu verlassen.

 

Zum Abschied habe ich ihm dann zugerufen, dass man sich immer zwei Mal im Leben sieht, einmal mit und einmal ohne Maulkorb. Jost fragte mich dann, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte. Ich antwortete ihm: "Erstens habe ich alle Näpfchen im Schrank und zweitens ist PR überlebenswichtig - auch für einen Hund wie mich!"

 

24.11.16

10 Sekunden haben mein Leben verändert:

Immer wieder bekomme ich E-Mails, in denen mich Leser meines Tagebuches fragen, ob ich bereits in jungen Jahren so böse zu Menschen und Hunden war. Antwort: Nein. Ich versuche nachfolgend zu erklären, was mich dazu gebracht hat, so zu werden. Diese Erklärung beruht auf Erzählungen, die ich nach bestem Wissen und Gewissen wiedergebe. Die Richtigkeit der Angaben vor der Zeit bei Jost kann ich nicht garantieren.

 

Die Tochter meiner Vorbesitzer hat mir viele Tricks beigebracht und sich auch sehr intensiv mit mir beschäftigt. Soweit hatte ich ein schönes Leben. Angefangen hat alles mit der Trennung meiner Vorbesitzer. Da mich von ihnen keiner behalten konnte, kam ich am 14.12.12 ins Tierheim in Lippstadt.

 

Dort war es nicht mehr so gemütlich und kuschelig wie zu Hause. Im Innenzwinger sind mir die anderen Hunde sehr nah auf die Pelle gerückt und ständig hat mindestens ein Hund gebellt. Der Tagesablauf, die Unruhe, all die unterschiedlichen Menschen haben mich sehr verunsichert. Immer, wenn jemand die Tür zu unserem Zwingertrakt öffnete, habe ich ihn lautstark angebellt. So vergingen die ersten Wochen, ohne dass ich die Möglichkeit hatte, mich auch nur einen Moment zu entspannen.

 

Am 06.01.13 habe ich dann Jost richtig kennen gelernt. Vorher ging er auch nur an meinem Zwinger vorbei, ohne sich richtig um mich zu kümmern. An diesem Tag wollte er mich richtig kennen lernen und ging in die Mitte des großen Auslaufes und wandte sich von mir ab, indem er in die entgegengesetzte Richtung schaute. Zwei Pflegerinnen haben dann auf Zeichen das Türchen geöffnet, sodass ich die Wiese betreten konnte. Da ich so aufgeregt war und mich auf den "Hofgang" so gefreut habe, rannte ich stürmisch auf Jost zu, rempelte ihn heftig mit meiner Flanke zur Seite, sodass er fast sein Gleichgewicht verloren hätte. Dann folgte die nächste Runde, wieder rannte ich auf ihn zu und rempelte ihn an. Aus Übermut schnappte ich bei jedem Anflug nach seiner Hose, ohne ihn aber dabei zu verletzen. Später hat mir Jost gesagt, dass ich mich benommen hätte wie ein respektloser, nicht ausgelasteter, unerzogener „Proletarier" oder kurz "Proll", der einfach seine überschüssige Energie los werden wollte. Das Schnappen ist zwar auch schon als aggressives Verhalten zu deuten, ist aber - wenn es frühzeitig richtig erkannt und therapiert wird - kein großes Problem.

 

In den folgenden ca. fünf Wochen hat Jost mir dann verständlich gemacht, dass er nichts mit mir anstellt, solange ich meine Aufregung nicht unter Kontrolle habe. Er hat - solange ich aufgeregt war - vor dem Zwinger nicht mit mir gesprochen, mich nicht angeschaut, hat die Zwingertür nicht geöffnet, mir nicht die Leine angelegt, ist nicht mit mir durch die ganzen Türen und geschweige denn mit mir Spazieren gegangen. Es hat etwas gedauert, weil Jost ja immer nur sonntags für 4 Stunden hier im Tierheim war. Und selbst dann hat er sich nicht nur um mich kümmern können, er hat ja auch noch andere Hunde trainiert und kranke Hunde physiotherapeutisch behandelt.

 

Dann kam der Tag, an dem Jost das 1. Mal in Lipperode mit mir spazieren gehen wollte. Er stand vor meinem Zwinger und sah zwei Dinge. Trichter um den Hals und Maulkorb an der Zwingertür. Den Trichter konnte er sich gleich erklären - Kastration. Aber warum dort plötzlich ein Maulkorb hing, konnte er nicht verstehen. Er ging sofort ins Büro und erfuhr dort, was geschehen war. Beim Tierarztbesuch ging wahrscheinlich alles schief, was schief gehen konnte:

 

Ein Hund aus dem Tierheim sollte grundsätzlich mit einem Maulkorb behandelt werden, da niemand dabei ist, dem der Hund vertraut und ihm somit Sicherheit bieten kann. Hier fehlt einfach eine Bindungsperson. Diese ist eine Person, die für den Hund nicht ersetzbar ist. Da aber die Menschen im Tierheimalltag ständig wechseln, kann eine fest Bindung nicht aufgebaut werden. Futter bekomme ich von unterschiedlichen Pflegern, der Zwinger wird von unterschiedlichen Mitarbeitern gesäubert und die Gassigänger wechseln auch ständig. Der Maulkorb gibt allen Beteiligten im Behandlungsraum Sicherheit, die sich auch auf den Hund überträgt. Einen großen Hund wie mich kann man auch auf dem Boden behandeln und mir dort die Narkosespritze setzen. Aber was wurde gemacht: Mit vier Personen haben sie mich auf den Behandlungstisch gesetzt und fixiert, sodass ich Panik bekam und wild um mich gebissen habe. Eine Mitarbeiterin des Tierarztes hat es dann erwischt. Besser gesagt ich habe sie erwischt. Ich habe sie so schwer verletzt, dass sie sogar sofort ins Krankenhaus musste.

 

Ab diesem Zeitpunkt habe ich mein Vertrauen zu Menschen völlig verloren und mich bei entsprechender Nähe fremder Menschen für mich angemessen verteidigen wollen.

 

Nach der Wundheilung ist Jost dann mit mir in Lipperode spazieren gegangen. Gleich zwei Vorfälle haben Jost gezeigt, wie ich mich verändert habe: Zunächst gingen wir auf dem Bürgersteig und uns kam ein junges Ehepaar entgegen. Jost hat mein Verhalten beobachtet und sich entschlossen einfach weiter zu gehen. Bis auf zwei Meter vor uns war alles in Ordnung, dann preschte ich plötzlich nach vorne, ohne die Zähne zu fletschen, ohne zu knurren oder andere körpersprachliche Warnzeichen zu geben. Die beiden müssen sich gedacht haben, noch so einer, der seinen Hund nicht im Griff hat. Einen Menschen zu warnen, wenn mir etwas nicht gefiel, war für mich überflüssig, ich ging gleich drauf. Der zweite Vorfall ereignete sich einige Minuten später. Wir gingen beide auf dem linken Bürgersteig und ungefähr 50 m vor uns spielten zwei kleine Jungs mit einem Ball im Garten. Einer der beiden hat dann den Ball über den kleinen Zaun geschossen, der dann auf unsere Straßenseite rollte und am Bordstein liegen blieb. Einer der Jungs sprang über den Zaun und holte sich den Ball zurück. Während dessen ging ich ins Geschirr und machte Laute, die Jost noch nie von mir gehört hatte, die er aber richtig deutete: Ich wollte töten. Ich wusste nur noch nicht, ob ich erst den Ball oder den Jungen zerschreddern würde.

 

Jetzt wusste Jost Bescheid: 10 Minuten beim Tierarzt haben meine Psyche regelrecht versaut. Aus dem unerzogenen "Proll" ist ein aggressives Monster geworden. Jost war entsetzt von meiner Entwicklung und machte sich Gedanken, wie er mich weiter trainieren sollte.

 

Den Rest haben die 20 Monate Tierheimaufenthalt in mir verändert. Der eine Hund steckt diese Zeit unbeschadet weg, der andere nicht. Ich gehörte zur zweiten Gruppe. Entspannen kann man dort nicht. Mindestens ein Hund bellt tagsüber immer, vor dem Gassigehen an den sichtbaren Katzenausläufen vorbei, nachts unter den anderen Hunden, bei Starkregen oder Gewitter niemand da, der einem Sicherheit bietet. Eines möchte ich aber noch klar stellen und erwähnen: Dem Tierheim und seinen Mitarbeitern mache ich keinen Vorwurf. Alle Mitarbeiter geben ihr Bestes, um allen Tieren gerecht zu werden und ihnen dort den Aufenthalte so angenehm wie möglich zu gestalten, aber eben nur so viel, wie es die Zeit und die Finanzen zulassen.

 

So, jetzt kennt Ihr meine Vorgeschichte. Und tut mir einen Gefallen: Wenn ihr das Gefühl habt, dass die Vorgehensweise bei einem Tierarzt oder auf einem Hundeplatz, bei einem Hundetrainer oder dem Betreibers einer Hundepension Euerem Hund nicht gut tut, habt den Mut, und brecht sofort ab. Gebt fairerweise eine kurze Begründung ab, damit derjenige auch die Möglichkeit hat, sich weiter zu entwickeln und geht dann einfach nach Hause. Tut Euerem Hund dies nicht an. Gebt ihm die Sicherheit und den Schutz, den jeder von uns benötigt! Vielen Dank auch im Namen meiner unzähligen Leidensgenossen!

 

24.12.16

Ab heute hat der Begriff STACHELHALSBAND eine ganz neue Bedeutung für mich: Jost hat mir zu Weihnachten ein solches Halsband geschenkt. Es ist natürlich kein richtiges Stachelhalsband. Es ist ein normales Leucht-Halsband, bei dem befestigte Stacheln die Leuchtkraft der LEDs nach aussen weiterleiten. Komme mir vor wie der Weihnachtsstern. Und nur weil Jost selber eine Glatze hat, muss er mir doch nicht so etwas kaufen. Schaut Euch das ´mal an!

 

Ohne Halsband ....................... mit Halsband .......................... mit Blitzlicht


 

Aber wegen meiner langen Haare würde mich niemand im Dunkeln sehen. OK, da hat er ja Recht. Beim 3. Bild habe ich mich noch so geschämt, dass ich nicht in die Kamera gucken wollte ... und auf Kommando schon ´mal gar nicht!

 

31.12.16

Im Vergleich zum letzten Jahr Silvester, musste Jost nur von 23:45 - 00:15 Uhr mit einer bestimmten Technik auf mich einwirken. Davor und danach war ich deutlich entspannter als letztes Jahr. Ich glaube, dass ich jetzt noch mehr Vertrauen zu Jost habe und deswegen weniger Panik bei der Silvester-Knallerei habe.

 

11.01.17

Heute hat sich bei mir ein Kreis geschlossen. Wie Ihr ja mittlerweile wisst, hat meine Aggression ihren Ursprung im Umgang mit mir während eines Tierarztbesuches. Heute haben Jost und ich einen Kunden-Hund in eine Tierarztpraxis begleitet. Bruno war bereits panisch vor Aufregung, als er nur auf dem Parkplatz zur Praxis aus dem Auto gesprungen ist. Jost hat es dann in den vergangenen Wochen geschafft, dass Bruno mich nett findet, wir gemeinsam im Garten spielten und er zu mir so viel Vertrauen aufbaute, sodass ich mit ihm gemeinsam - mit einer Leine verbunden - spazieren gehen konnte.

 

Bei dieser Übung musste Bruno akzeptieren, dass ich von uns beiden die Führung übernehme.

 

Jost führte mich dann heute mit einer kurzen Leine in die Praxisräume und Bruno hing mit einer gesonderten Leine an meinem Halsband. Dass ich - bei meinen Tierarzterfahrungen - einen anderen Hund "überreden" konnte, die Praxisräume zu betreten, machte mich ganz stolz. Auch Jost war stolz auf mich. Das war an seiner Körpersprache in diesem Augenblick deutlich zu erkennen. Als Belohnung haben wir dann beide ganz viele Leckerchen von einer tierärztlichen Fachangestellten bekommen.


26.02.17

Heute war es meine Aufgabe, einer Kundin von Jost das nötige Selbstvertrauen zu geben, damit sie sich stärker bei ihrem eigenen Hund durchsetzt. Jost sagte mir vor dem Training, dass - wenn sie es schafft, mich konsequent zu führen - sie dies auch bei ihrem eigenen Hund schaffen würde. Bin ich denn wirklich so schlimm? Aber wie man sieht: Es hat funktioniert. Was man nicht sieht: Die Kundin hat sogar dabei gelächelt.

 

Wegen des Rechtes am persönlichen Bild, wurde das Gesicht von Sam mit einem Balken versehen.

 

 

30.05.17

Ort: Hundeplatz

Wetter: Heiß

Luftfeuchtigkeit: z. T. 100%

Spaßfaktor: 110%

Trainingseffizienz: Sehr hoch

Akustisches Highlight: Zähneklappern

Visuelles Highlight: Hüftschwung

Video auf YouTube, einfach hier klicken!

 

Waschprogramm A für leicht angeschmutzte Hunde (ohne Wachsen)

 

17.06.17

Heute durfte ich ´mal zeigen, was in mir steckt. Diego Maradona ist zwar klein . . . ich dafür bin aber schnell. Dass ich meinen Maulkorb an habe, finde ich ausnahmsweise einmal gut, sonst würde ich mir die Zähne an diesem Ding im wahrsten Sinne des Wortes ausbeissen. Ihr könnt von mir lernen: Dribbeln, Antäuschen, Provozieren, Steuern usw.

Video auf YouTube, einfach hier klicken!

 

Diego (Maradona) beim Training

 

31.07.17

Auf mein Herrchen kann ich mich verlassen. Heute war es wieder sehr warm und was macht er mit mir? Er ist mit mir zur Lippe gegangen und hat mich in ihr planschen lassen.

 

Die Lippe - unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2017. Dies sind die Abenteuer des Hundes Diego, der mit seiner Schnauze unter dem Wasserspiegel unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. 20 cm von der Wasseroberfläche entfernt, dringt Diego in Galaxien vor, die nie ein Hund zuvor gesehen hat.

 

Immer wieder versucht er, die Steine und Wurzeln ans Ufer beamen zu lassen. Alles funktioniert innerhalb normaler Parameter. Doch es gelingt nicht. Er gibt nicht auf. Ein letzter Versuch: E N E R G I E !

 

24.12.17

Lange haben Sie nichts mehr von mir gelesen. Der Grund: Im Leben passieren nicht jeden Tag interessante Dinge, die berichtenswert sind. Der Alltag und die Routine siegen dann doch irgendwann. Und bevor ich täglich das Selbe schreibe, berichte ich lieber nur von Ereignissen, die ich interessant und erzählenswert für Sie halte. Weniger ist manchmal mehr! Trotzdem will ich es nicht versäumen, Ihnen frohe und besinnliche Weihnachtsfeiertage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr zu wünschen. Nächstes Jahr schreibe ich dann weiter, um Sie auf dem Laufenden zu halten. Bis dahin alles Liebe!

 

01.01.18

Die letzten Tage waren wieder schlimm. Immer wenn ich mich lösen wollte, knallte irgendwo in der Nähe ein Kracher. Da bekomme ich immer noch Angst. Entspanne dann aber auch schnell wieder. Silvester fand ich dieses Jahr super. Warum? Es hat ganz doll geregnet, und es war bis 10 Minuten vor 12 draußen nicht viel los. Dann ging es aber auch schon los. Jost hat mich mit seinem Finger in meinem Gesicht wieder zur Entspannung genötigt und zu seiner Überraschung habe ich sogar um 2 Minuten nach 12:00 meinen Kopf zwischen meine Pfoten auf dem Boden abgelegt. Jost wußte gar nicht, was er sagen sollte. Er war nur begeistert von mir. Diese Ruhe ging dann noch bis kurz vor 2 Uhr. Dann wollte Jost mit mir Pipi machen gehen. Er dachte wohl - weil er längere Zeit nichts mehr gehört hat - die Menscheit hätte sich beruhigt. Irrtum: Genau als ich wieder mein "Hahn" aufgedreht habe, knallte es wieder. Habe mir aber dann innerlich gedacht: Wegen Dir drehe ich meine "Hahn" jetzt nicht zu. Dann zog ich aber dennoch ganz schnell in Richtung Terrasse und schnell wieder ´rein.

 

11.01.18

Heute Morgen war wieder irgendetwas anders. Jost stand (für mich) mitten in der Nacht auf, wusch sich und zog sich an. Ohne Frühstück fuhr er dann mit mir weg. Ohne Frühstück - das geht gar nicht! Als wir anhielten, sah ich die Bescherung. Das war nicht das Haus vom Nikolaus. Das war das Haus von meinem Tierarzt. Ich hätte es wissen müssen. Aber es ist ja wieder Jahresanfang. Zeit zum Impfen. Aber statt hinten hinein und fertig, haben die mir einen Zugang gelegt. Mein Kopf wurde plötzlich schwerer und schwerer. Dann legten sie mich auf die Seite und ich fühlte mich leicht angetüddelt, wenn Ihr wißt, was ich meine. Dann habe ich denen aber gezeigt, wo der Hammer hängt. Ich habe mir gedacht, die Zeiten der Aggressionen sind vorbei, aber so schnell kriegt ihr mich nicht klein. Innerhalb der nächsten 5 - 10 Minuten habe ich mich noch einige Male kräftig aufgebäumt. Ihr kriegt mich nicht ... ihr kriegt mich nicht ... ihr kriegt mich nicht. Jost hat noch gesagt: "Träum´ schön von Fienchen!" Dann haben sie mich auf eine Pritsche umgebettet und wollten einfach losfahren. Auch dann habe ich mich noch einmal zur Wehr gesetzt (habe aber natürlich nicht gebissen, obwohl sie mir meinen Maulkorb schon abgenommen haben). Dann kann ich mich an nichts mehr erinnern. Filmriss! 

 

Später stand jemand vor meinem Käfig, der eine Glatze hatte und sprach mich mit Diego an. Da kein anderer Hund da war, nahm ich an, dass er mich meinte. Tabletten eingesackt, Rechnung bezahlt, auf der Hundetoilette noch eine Marke hinterlassen, ab ins Auto und schnell nach Hause. Dort ruhe ich mich gerade aus. Ich hasse es auch normalerweise, wenn mich Jost zudeckt. Diesmal tat es richtig gut. Und auf meinem Schreibtisch mit Überblick auf meine Straße war alles wieder in Ordnung.

 

"Ich glaub´, ich bin auf Droge!"

 

12.01.18

Bin wieder "nüchtern" und habe mitbekommen, was los war: Reine Profilaxe: Zahnstein entfernt, damit keine bösen Bakterien meinen Körper verseuchen und da ich ehe dafür unter Vollnarkose stand, haben sie mir auch gleich noch einen Tumor, den ich bereits seit 3 Jahren hatte und der nicht größer wurde, sowie eine Warze im Augenwinkel entfernt. Darüber, dass mich die Leute beim Tierarzt zum Träumen geschickt haben, bin ich nicht böse, aber dass ich jetzt am rechten Oberschenkel eine Glatze habe wie mein Herrchen auf dem Kopf, nehme ich ihnen richtig übel. Das sieht so was von sch... aus. Und das juckt jetzt so. In 10 Tagen werden irgendwelche Seile gezogen, die meine Wunde zusammenhalten sollen. Die stellen sich an, als würde ich an der Stelle auslaufen. Aber Jost wird schon wissen, was er denen erlaubt hat, der meint es doch nur gut.

 

14.01.18

Seit der OP bekomme ich mehr zu fressen: Morgens und abends 1 1/2 Tabletten von einer Sorte und 1 ganze Tablette von einer anderen Sorte. Und wenn Ihr glaubt, dass ich die einfach so herunter schlucke, habt Ihr Euch getäuscht. Habe geschickter Weise die Dinger mitgefressen, dann aber gemerkt, dass die nicht nach rohem Rindfleisch schmecken und sie meinem Herrchen wieder vor die Füße ausgespruckt. Und wisst Ihr warum? Jetzt kriege ich die Dinger schön in Fleischwurst eingepackt zum Verzehr aus der Hand angeboten. Beispiel für eine gelungene Hunde Herrchenerziehung. An meine Kollegen: Ihr könnt von mir noch ´was lernen!

 

08.03.18

Heute Morgen stand "Diego" auf Jost´s Terminkalender. Nicht, dass er sich sonst nicht um mich kümmert. Aber das war schon "extrem beauty"! Augen frei gelegt, Löwenmähne ausgedünnt, Bart, Lefzen, eine Wolfskralle (die meint wohl immer schneller wachsen zu müssen als die andere), Haare an den Läufen und zwischen den Ballen und den Popo geschnitten. Nach einer Stunde war alles vorbei. Bis zum nächsten Mal dürfen ruhig noch ein paar Jahre vergehen.

 

 

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